Reviews

Liberty Or Death

Label: Locomotive Music (2007)

Mit Grave Digger ist das so eine Sache. Manche mögen die Band wegen ihres unvergleichlichen Charmes und der authentischen Art, in der Metal Fan und Bandleader die Kapelle nun schon seit fast 25 Jahren führt. Dabei sind sie neben Running Wild wohl die authentischste Band für klassischen True Metal made in Germany. Daneben gibt es auch die ewig gleichen Kritiker, die sich eben mit Onkel Chris' Gesang einfach nicht anfreunden können. Aber eines haben sie doch auch gemeinsam: das Handwerk bei Grave Digger war schon (fast) immer erstklassig und die konzeptionelle Umsetzung der Platten seit den 90er Jahren war inhaltlich und formal so stringent und logisch durchgehalten, wie man es so "primitiven Langhaarigen" (Zitat meiner Oma) gar nicht zugetraut hätte.

Ein Konzept haben sich Chris Boltendahl und seine Jungs auch dieses Mal einfallen lassen, auch wenn es bei "Liberty Or Death" etwas weiter gefasst ist als im letzten Jahrzehnt üblich. Hat man sich sonst über die Dauer einer ganzen CD einer Epoche hingegeben, dann überrascht der neue Output mit einem Rundumschlag durch die Geschichte verschiedener Befreiungsbewegungen. Natürlich stehen auch hier eher die militärischen Auseinandersetzungen im Zentrum des Interesses, aber das mag auch daran liegen, dass sich so etwas mit den Mitteln des Heavy Metal eher ausdrücken lässt als der friedliche Kampf eines Mahatma Gandhi (den könnten U2 wohl besser würdigen).

Musikalisch ist "Liberty Or Death" ziemlich stark geworden. Mich hätte es nicht gewundert, einen schottisch angehauchten Song wie 'Highland Tears' auf "Tunes Of War" (1996) zu finden. Traditionelle Power Granaten bolzen die Jungs fast ohne Unterbrechung ins nichtsahnende Publikum, 'Until The Last King Died' startet wundervoll schleppend, der Titelsong besticht mit einem klassischen Intro, während der abschließende Track 'Massada' mit seinen orientalischen Anklängen den jüdischen Freiheitskämpfern im jüdisch-römischen Krieg 67-73 n.Chr. ein Denkmal setzt (nachzulesen beim Historiker Josephus). Als Bonus gibt es für die Käufer der Digipak-Version noch 'Ship Of Hope', das ebenfalls eher getragen und hymnisch die CD würdig beendet.

Alles in allem haben Grave Digger mit ihrer gut einstündigen neuen CD wieder ein tolles Beispiel für Heavy Metal ohne behämmerte Texte abgeliefert, gleichwohl ich als Historiker nicht immer mit der Interpretation der Themen in diesen Songs zu 100% zufrieden bin. Aber das ist ein anderes Thema!

Frank Scheuermann 






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