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Anything For You

Label: Frontiers Records (2005)

Aus der vegetarischen Wohngemeinschaft des Tom Scholz (Boston) hat sich ein ehemaliger Mitbewohner abgeseilt und ein sehr nett anzuhörendes AOR Album aus dem metaphorischen Ärmel geschüttelt.  Die Marschrichtung eines Musikers, der schon mit Rick Springfield, REO Speedwagon, Toto, Boston, Richard Marx, Starship und anderen musiziert hat, dürfte mit der Nennung der vorstehenden Namen hinreichend umrissen zu sein.

Mit seiner (ersten?) Soloplatte macht er klar, warum er in den Staaten zu den begehrtesten Backgroundsängern gehört: Tommy Funderburk verfügt über ein in hohem Maße wandlungsfähiges Organ in der Schnittmenge von Lou Gramm (Foreigner), Bobby Kimball (Toto) und der bereits benannten Richard Marx und Rick Springfield. Ob es musikalisch eher im balladesken Bereich abläuft oder Hardrockanleihen zum Vorschein kommen, die Stimme ist äußerst wohltuend, auch wenn man neue Akzente natürlich eher vermisst.

Ich würde mir allerdings von zukünftigen AOR Produktionen in Zukunft wünschen, dass Keyboardsounds der 80er Jahre prinzipiell eine damnatio memoriae nach sich ziehen, bis der Bußfertige eine Hammond B3 mit seinen Händen auf den Gipfel des Matterhorns getragen hat - ohne Seilabsicherung! Denn durch die Synthiegrütze werden viel zu oft gute Ansätze zugekleistert. Das ist nun kein Manko speziell dieser Veröffentlichung, sondern durch das Genre bestimmt (Was hat das nun mit Platons Ideenlehre zu tun? Findet es einfach selber heraus!).

Fazit: Im Bereich AOR ist diese Platte absolut daseinsberechtigt, wenn man allerdings das harte Brett bevorzugt, dann kann man am CD Regal durchaus zum nächsten Buchstaben weiter gehen.

Frank Scheuermann