Reviews

Nimby

Label: SPV (2004)

Im Jahre 2004 präsentieren Fury In The Slaughterhaouse nach ihrem sensationellen 1988er Debüt Album nun ihr mittlerweile zehntes Studioalbum, quasi ein kleines Jubiläum. Bereits im Vorfeld gab es viele wilde Spekulationen, beispielsweise ob das Sextett denn so langsam in die Jahre kommt. Dem kann man nur widersprechen, denn Fury In The Slaughterhouse haben bei ihrer Jubiläumsscheibe „Nimby“ auf einen erfahrenen Produzenten verzichtet und alles in Eigenregie, zusammen mit Engineer Oliver Sroweleit, aufgenommen und produziert. Ein weiteres dickes fettes Plus der Scheibe: die meisten Songs sind bei verschiedenen Jamsessions im Studio aufgenommen und kaum noch verändert worden, vielleicht hier und da noch ein Overdub als kleine Ergänzung. Dennoch müssen sich die Jungs immer wieder die Vergleiche zum selbstbetitelten Debüt gefallen lassen…

Zunächst einmal werden im Opener ‚Welcome To The Other World’ ganz neue Töne angeschlagen. Orientalische Gitarrenarbeit, dem Sprachgesang nicht weit entfernte Vocals und einem typisch eingängigen Fury Refrain legen die erste Marschroute fest. Zwar hält sich der moderne Touch auch in ‚V.I.P.’, doch der Song kommt wesentlich rockiger dabei weg und setzt sich in herrlich distanzierter Art und Weise mit dem Thema „Ich bin ’ne Berühmtheit“ auseinander, coolste Zeile im Zeitalter, in dem jeder ein Star sein möchte (siehe den ganzen Castingwarn): „Ladies and gentlemen don’t miss your chance to meet me!“. Auch eine Ballade in gewohnter Manier haben Fury auf „Nimby“ gepackt. ‚Candle In Your Window’ heißt dieser Gänsehaut-Song, der durch seine wunderbaren akustischen Gitarrenklänge und die einzigartige Stimme von Sänger Kai Wingenfelder geprägt wird. Das komplette Gegenteil bricht in ‚Warchild’ über dem Zuhörer herein. Hämmernde Riffs, progressiv angehauchte Rhythmen und aggressive Vocals machen ‚Warchild’ zu einem wirklich grandiosen Track, den es so in der langen Fury-History noch nicht gab. Nun aber wieder zur guten alten Zeit. ‚Easy Way’ ist meiner Meinung nach der Hitverdächtigste Track auf dem neuen Silberling. Hier gibt es schlicht und einfach geniale Rockmusik geboten, die verhaltene Verses und eingängige Refrains - natürlich zum mitsingen - perfekt vereint. Ein weiterer Anspieltipp ist Track Nummer 12. Es gibt wohl kaum Themen die so interessant sind wie die gute alte ‚Cigarette After’. Ziemlich modern durch diverse Verzerrungen und Keyboardsounds. Zum Schluss gibt es mit ‚One Chord Reggae (Do You)’ noch ein recht experimentelles Stück Musik, in dem sie ihrer progressiven Ader freien Lauf lassen.

Fury lassen endlich mal wieder ihr Gespür für geniale Melodien und Rhythmen raus und beweisen den Kritikern, dass sie immer noch so frische Songs schreiben können wie zu ihrer Anfangszeit. Rocker, Popper und Interessierte zugreifen und die Gigs der Band besuchen, schließlich gibt es nur ein Original.

Nils Manegold






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