Reviews

Interlude

Label: Napalm Records (2013)

 

Es ist kaum ein Jahr her, dass die Holländer mit „We Are The Others“ ihr letztes Album präsentierten, da steht mit „Interlude“ bereits die nächste Veröffentlichung – diesmal beim neuen Label – an. Schon der erste Blick auf die Tracklist zeigt, dass es sich hier lediglich um ein „Zwischenspiel“ handeln kann: zu zwei neuen Songs gesellen sich zwei alte Bekannte in neuem Gewand – sprich Mix – drei Coverversionen und sechs Liveaufnahmen.


Über die Notwendigkeit des Albums kann man durchwegs geteilter Meinung sein, interessanter wird da eher die Frage sein, ob es Delain hier gelingt, das selbst gesteckte Ziel zu erreichen und nicht nur die Hardcore-Fangemeinde für das nächste „echte“ Album anzufixen, sondern auch Neulingen einen repräsentativen Einblick in das Schaffen der Gruppe zu geben.
„Breathe On Me“ beginnt recht ruhig und braucht recht lang, ehe es im – recht einfach gehaltenen -  Refrain an Tempo zulegen kann. Über ein „ganz nett“ kommt der Song in meinen Augen leider nicht hinaus – und ist gerade deshalb eine eher unglückliche Wahl als Titeltrack, zeigt er doch nur ansatzweise, was Delain wirklich können.


Aus ganz anderem Holz geschnitzt ist da „Collars And Suits“. Ganze 14 Sekunden im Streicherintro ehe Bass und Drums eine Klangwelle erzeugen, die einen mitreißt. Auch Charlotte Wessels kommt hier stärker und differenzierter zur Geltung.
Damit ist das neue Material auch schon abgehandelt. Bei den Remixes fällt die Balladenversion von “We Are The Others” positiv auf, bei der man sich offensichtlich deutliche Mühe gegeben hat. Der – in meinen Augen – zu hohe Pitch und die etwas zu hohe Geschwindigkeit: beides Geschichte.


Der Rest ist Geschichte, könnte man sagen. Die Coverversionen lassen sich ohnehin nur schwer beurteilen, da es viel zu viele unterschiedliche Haltungen zum “idealen” Cover gibt. Die Umsetzung ist sicherlich ganz ordentlich gemacht – doch erneut: „typisch“ Delain höre ich nicht unbedingt aus den Liedern heraus. Das mag vielleicht auch an der Auswahl der Vorbilder liegen.


Bleibt zuletzt noch das Livematerial. Hier zumindest werden die Holländer dem Anspruch gerecht, die Auswahl darf durchaus repräsentativ stehen bleiben. Positiv darf man zudem vermerken, dass sie nicht der um sich greifenden Unsitte verfallen, die ewig gleichen Livesongs auf x Scheiben zu verwursten, sondern sich frisches Material herausgesucht haben. Was die Produktion angeht, wird es allerdings schon wieder schwierig zu bewerten, denn die ist für eine Liveaufnahme äußerst glatt. Das ist jetzt für die Neulinge, die einfach nur die Band hören wollen, sicherlich ein Kaufargument, denn denen geht es ja nur um die Musik. Enttäuschender ist es allerdings für diejenigen, die das Konzertfeeling zuhause brauchen – sei es, weil kein Geld mehr fürs Konzert da war oder auch nur um die Zeit bis zur nächsten Dosis Live zu überbrücken. Denn die Stimmung eines Live-Auftritts will nicht so recht rüberkommen.


So kann ich abschließend als Kaufempfehlung nur ein klares „Jein“ geben: für Neulinge ist die Platte durchaus zu empfehlen. Doch wenn es – wie zu hoffen – nicht nur bei einer Scheibe bleiben soll, so ist die Investition in eines der älteren Alben, z.B. „April Rain“, eher zu empfehlen.  

KoJe






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