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Lightning Strikes Again

Label: Frontiers Records (2008)

Konnte man in den 80ern kaum etwas anderes als melodischen Hardrock auf MTV sehen, so änderte sich das in den frühen 90ern durch die Ankunft von Grunge schlagartig (ich weiß bis heute nicht, warum alle Welt auf diese selbstmitleidigen Jammerlappen abgefahren ist...). Natürlich wurden damals einige Bands hoch verdient weggespült, aber es gab auch Bands, um die es sehr schade war. Eine dieser guten Bands, die ich u.a. 1988 in der Karlsruher Schwarzwaldhalle im Vorprogramm von AC/DC erleben durfte, waren Dokken. Markenzeichen: samtweiche ausdrucksstarke Stimme von Don Dokken und die virtuose Gitarrenarbeit von George Lynch. Mitte der 90er tat man sich wieder zusammen, um zwei Platten einzuspielen, die so allerdings auch Schrammeldilettant Kurt Cobain hätte verhunzen können. Statt spannender Kompositionen und großer Melodien, bekam der entsetzte Fan triviale Lagerfeuerromantik vorgesetzt. Nichts mit Saitenakrobatik. In Wacken konnte ich die Band dann mit Reb Beach noch einmal sehen und war wieder versöhnt. Man befand sich mit "Erase The Slate" eindeutig auf dem Aufwärtstrend, wenngleich der Gipfel noch nicht erreicht war.

Das könnte jetzt mit "Lightning Strikes Again" gelungen sein, denn Neuzugang Jon Levin an der Gitarre lässt das alte Feeling wieder aufleben. Die Songs zeichnen sich durch große Melodien und Flitzefingertechnik aus, wie man sie von Dokken in dieser Form seit zwanzig Jahren so nicht mehr gehört und gesehen hat. Den Fans der alten Dokken kann ich "Lightning Strikes Again" uneingeschränkt empfehlen, da sogar die obligatorischen Balladen durchaus genießbar sind. In dieser Form muss man sich um die Band keine Sorgen machen.

Frank Scheuermann