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Welcome 2 My Nightmare

Label: Universal (2011)

Mein Gott, was hat dieser Mann nicht schon alles geleistet? Psychedelic, Hardrock, Glamrock, Horror Rock, Punk, New Wave, Pop, Power Metal, Hair Metal, Garage Rock und vieles mehr. Und nun kehrt der Altmeister des Schockrock mit einer Fortsetzung seines 1975er Klassikers "Welcome To My Nightmare" zurück. Kann das funktionieren? Es kann! Und wie! Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, wann Alice Cooper so sehr aus einem Guss gearbeitet hat, dabei aber zugleich musikalisch so abwechslungsreich war.

Gemeinsam mit seinem legendären Produzenten Bob Ezrin, der zwischenzeitlich auch mit Größen wie Pink Floyd oder den Alice Cooper Epigonen von Kiss gearbeitet hatte, legt er eine Platte vor, die das Zeug zum absoluten Klassiker hat! Stilistisch trägt er dabei keinerlei Berührungsängste zur Schau. Vielmehr werden genüsslich Stilmittel der unterschiedlichsten musikalischen Genres zitiert und gleichermaßen zerpflückt: Von Trip-Hop Einschüben bei der Eröffnungsnummer bis hin zu Dixielandanspielungen bei der Burlesque 'Last Man On Earth', dazu feuriger Garagenrock ('A Runaway Train'), die beste Rolling Stones Nummer der letzten 40 Jahre, die diese nie geschrieben haben ('I'll Bite Your Face Off'), eine Hommage an die Beach Boys ('Ghouls Gone Wild' - köstlich, eine Strandparty von Dämonen mit Surfbrettern und Höllenband - das schreit geradezu nach einer Videoumsetzung!), ein Dancefloor-Pop-Rocker im Duett mit Ke$ha ('What Baby Wants'), was erstaunlich gut funktioniert und der für alte Cooper Fans vielleicht spontan am schwersten verdauliche Song 'Disco Bloodbath Boogie Fever'. Es ist in der Tat ein wenig verstörend, wenn der Altrocker genüsslich 70er Jahre Discothekenmusik zitiert, das Ganze mit gerapptem Gesang und einer Hookline, die ein wenig an die Atzen erinnert. Aber wenn man sich das Konzept des Songs - der übrigens im zweiten Teil zu einer reinrassigen Metalnummer wird - vor Augen führt, dann wird genau diese Nummer zum absoluten textlichen Highlight der Platte für alle Discohasser: Steven geht in die Disco und massakriert dort alle Popper und Dancehall-Fetischisten. Dabei werden die Kommandos an die Popper-Geiseln vor deren Erschießung so gerappt, als seien sie Tanzanweisungen eines DJ ("Put your hands in the air, swing 'em up like you don't care!"). Schwärzester Humor at its best! Übrigens gab es auch früher schon sehr tanzbare Nummern mit leichtem Disco-Flair (z.B. 'You Gotta Dance' von "Alice Cooper Goes To Hell", 'Love At Your Convenience' von "Lace & Whiskey", 'From The Inside' vom gleichnamigen Album oder 'He's Back' von "Constrictor") von Herrn Vincent Damon Furnier.

Dazwischen werden regelmäßig Leitmotive aus dem ersten Teil zitiert, vor allem die Pianomotive von 'Steven' und 'Years Ago'. Am Ende steht dann die 'Underture', in der orchestral Motive aus beiden Werken zitiert werden. Für uralt Fans wie mich ist es dabei besonders versöhnlich, dass er außer seinem alten Produzenten auch noch andere wichtige Personen seiner musikalischen Vergangenheit eingeladen hat. Gleich drei Songs werden von der Original Alice Cooper Band gespielt, wovon das dämonische 'When Hell Comes Home' besonders gelungen ist. Daneben hat er sowohl für das Songwriting als auch für geschmackvolle Gitarrenarbeit sein legendäres Gitarristengespann Steve Hunter und Dick Wagner reaktiviert, die beide schon von 1975-78 zu seiner Mannschaft gezählt haben. Daneben gibt es auch wieder Gäste mit einer kürzeren musikalischen Karriere. John 5 darf nun erstmals beim Original einige Gitarrenparts beisteuern, nachdem er jahrelang in Diensten der billigen Kopie Marilyn Manson gestanden hatte. Und auch Rob Zombie gibt sich die Ehre und führt die Zuhörer in 'Congretation' als charmanter Concierge durch die Hölle (und verweist augenzwinkernd auf den Käfig mit den Typen von der Wall Street!).

Alice Cooper hat ein absolutes Meisterwerk abgeliefert, das trotz seiner stilistischen Breite zu jedem Zeitpunkt eines bleibt: 100% Alice Cooper! Chapeau!

Frank Scheuermann






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