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Live +

Label: Rhino Records (2015)

Seit fünf Dekaden prägt der britische Ausnahmegitarrist Jeff Beck die Musikszene wie kein anderer. Nicht, dass er zu den kommerziell erfolgreichsten oder auch nur ansatzweise zu den bekanntesten Saitenzupfern der Welt gehören würde. Vielmehr ist Herr Beck ein Gitarrist für Gitarristen. Somit beeinflusste er zehntausende Musiker in deren eigener Entwicklung nachhaltig. Und wenn man sich dann noch das breite Spektrum anschaut, dass Jeff Beck in den letzten 50 Jahren beackert hat, dann fällt die Kinnlade endgültig auf Halbmast.

Angefangen hat er ernsthaft als Nachfolger von Eric Clapton bei den Yardbirds, mit denen er zwischen Blues und Psychedelic hin und her pendelte. Mit seiner ersten Soloformation, der neben Rod Stewart auch Ron Wood (Rolling Stones) angehörte, spielte man ultraschweren Bluesrock an der Grenze zum Protometal, vielleicht vergleichbar mit dem, was Blue Cheer in Amerika trieben. Danach kam eine funkige Zwischenphase, bei der kein Geringerer als Cozy Powell die Felle bearbeitete. Danach die 70s Hardrocker BBA. Danach war dann für viele Jahre Schluss mit dem Gesang auf Jeff Becks Platten. Ab Mitte der 70er Jahre regierte Fusionrock in Stile des Mahavishnu Orchestra. Erst auf "Flash", Mitte der 90er fanden sich wieder vereinzelt gesungene Popsongs.

In den 90ern dann Drum'n'Bass-Experimente und Rockabilly. Aber egal, was Jeff Beck an Musik vom Stapel gelassen hat, egal, ob er Mick Jagger, Tina Turner oder Roger Waters auf deren Soloprojekten begleitete, stets wusste man nach drei Tönen, wer da Gitarre spielte. Und nun gibt es wieder einmal eine Liveplatte des Gitarrengottes. Das Interessanteste daran ist, dass es keine Rock'n'Roll Klassiker sind, aber trotzdem bei vielen Nummern Gesang zu Gehör gebracht wird, da in de letzten Jahrzehnten live fast ausschließlich instrumental musiziert worden ist. Gesungen wird dabei von Jimmy Hall, der auch schon "Gets Us All In The End" auf "Flash" (1986) gesungen hatte. Und er macht seinen Job richtig gut. Die Nummern werden routiniert, aber stets lebendig intoniert. Die Band ist so tight wie der Hintern einer Jungfrau. Zu allem Überfluss werden uns zum Ende noch zwei neue Stücke kredenzt.

Möge uns Jeff Beck, der immer noch nicht aussieht, als sei er über 50 (dabei hat er schon die 70 geknackt!) noch viele Jahre erhalten bleiben, den so wie er, kann es kein anderer!

Frank Scheuermann

9/10