Reviews

Live At Rockpalast

Label: Made in Germany (MIG) (2011)

Ein weiterer großer, tragischer Held der E-Gitarre gibt sich hier postum ein Stelldichein in der Rockpalastreihe von MIG. Roy Buchanan, der vor über zehn Jahren nach einer durchzechten Nacht morgens in der Ausnüchterungszelle tot auf gefunden worden ist, erhängt an seinen eigenen Schnürsenkeln, kommt hier noch einmal zu Filmehren. Er war so agnz der Antistar, ein großer Musiker mit der Ausstrahlung eine Oberstudienrats und der Kleidung eines Buchhalters in einem mittelständischen Betrieb. Dieser Roy Buchanan, war - so unwahrscheinlich das klingen mag, einmal als Nachfolger Mick Taylors bei den Rolling Stones im Gespräch (ebenso wie Michael Schenker und Rory Gallagher - und genau wie diese einfach zu gut an seinem Instrument, um dem Ruf dieser mittelmäßigen überbewerteten Band zu folgen!).

Wenn Roy Buchanan sich für seine von Country beeinflussten Bluesadaptionen die Telecaster umhband, dann wusste man als Insider, was dem Mann so überhaupt nicht anzusehen war: Es werden die Saiten bis zum Bersten gequält, er entlockt dem Instrument Geräusche, an die Leo Fender beim Entwickeln der Gitarre zu Beginn der 50er Jahre in seinen kühnsten Träumen nicht gedacht hätte. Zugegeben, das ist nicht immer leicht verdaulich, aber es ist ganz große Kunst. Dabei stört zwar die Aufmachung seiner Begleitmusiker (Bundfaltenhosen - schließlich stammt das Konzert aus dem Yuppie-Jahrzehnt 80er Jahre!), aber die spießbürgerliche Erscheinung Roy Buchanans, die in so radikalem Widerspruch zu seiner Art des Musizierens stand, lässt die Kinnlade das eine ums andere Mal nach unten wandern! Rest in Peace, Roy, Du warst ein ganz großer! Und bei der Nummer "The Messiah Will Come Again", verweist Du die Coverversion deines größten Fans Gary Moore auf die hinteren Ränge. Ganz groß!

Frank Scheuermann






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