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Blood & Belief

Label: SPV (2004)

Blaze Bailey dürfte in den letzten Jahren DIE Reizfigur für alle Metal-Fans gewesen sein. Im Gegensatz zu Ripper Owens, der meiner Meinung bestens zu Priest passte, aber leider seine Fähigkeiten nicht zu hundert Prozent zeigen durfte, war Bailey´s Stimme bei Iron Maiden völlig fehl am Platz; aber auch das eher dürftige Songwriting der Herren Harris, Murray & Co. spielte eine nicht zu unterschätzende Rolle, so dass der Engländer nie Fuß fassen konnte und der Misserfolg für Alben wie „X-Factor“ und „Virtual XI“ ihm von der Szene-Polizei zur Last gelegt wurde.

Genau wie Bruce Dickinson nach seinem Ausscheiden bei den Jungfrauen, hat sich Blaze Bailey im Jahre 1999 auf seine Solo-Karriere konzentriert und legt mit „Blood & Belief“ nun seine dritte Studio-Scheibe vor. Und mit Musiker, die die Songs für und nicht gegen ihn schreiben, passt auch alles zusammen, was mit dem sehr guten Debüt „Silicon Messiah“ bewiesen wurde. Zu dem Nachfolger „Tenth Dimension“ kann ich leider keine Angaben machen, da das Werk nie meine Ohren erreicht hat; laut Presse schien es aber nicht gerade Klassiker-Status zu besitzen, so dass meine Erwartungen bezüglich des vorliegenden Silberdeckels nicht besonders hoch waren.

Doch solcherlei Bedenken werden mit dem Opener Alive gleich ins Nirvana geblasen. Meine Güte, was für eine Power, was für eine geile Gitarren-Arbeit! Die Produktion drückt einen sofort an die Wand und braucht sich keinesfalls hinter der von Bruce Dickinson´s letzten Solo-Scheiben zu verstecken. Und genau wie Dickinson ist es auch Blaze Bailey gelungen, eine perfekte Mischung aus Tradition und Moderne, Härte (die ab und an sogar die Grenze zum modernen Thrash Metal streift) und Melancholie zu kombinieren. ‚Ten Seconds’ und der Titel-Song kann man als Hits bezeichnen (old school-Mucke in ein modernes Gewand gekleidet), das getragene ‚Life And Death’ brilliert mit Sentenced-Einflüssen und das düstere ‚Tearing Myself To Pieces’, das etwas an Ozzy Osbourne zu „Diary Of A Madman“-Zeiten (jedoch mit Zack Wylde-Gitarren) erinnert, geht als Seelen-Striptease par excellence durch. Überhaupt ist der Großteil des Werks ziemlich düster ausgefallen, auch das Cover-Artwork kann nicht gerade als heiter bezeichnet werden und erinnert eher an die Optik einer Black Metal-Band. Mit ‚Will To Win’ folgt dem etwas schwächeren ‚Hollow Head’ dann das Highlight der Platte: schnell, mit unglaublichen Double Bass- und Gitarren-Parts, einfach ein Banger der Spitzenklasse, der live ein absoluter Stimmungsmacher sein dürfte. Alles in allem haben wir es hier also mit einem verdammt guten Album ohne Ausfälle zu tun - das von dem superben ‚Soundtrack Of My Life’ zu einem würdigen Ende geführt wird, das auch in Zukunft noch oft die Innenseite meines CD-Players sehen wird.

Jeder, der sich über Blaze´s stimmliche Qualitäten bei Maiden lustig gemacht hat (der Autor dieser Zeilen mitgerechnet), sollte mit „Blood & Belief“ Buße tun, zeigt das Werk doch die wahren Gesangsqualitäten, die hier perfekt zur Musik passen und verdammt viel Rock´n ´Roll und Soul besitzen. Wer danach noch immer an Blaze Bailey zweifelt, dem ist nicht mehr zu helfen!

Michael Meyer






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