Reviews

Do You Miss Me

Label: Frontiers Records (2005)

Einen heißen Sommer lang war Robin Beck 1989 in aller Ohren. ,First Time' hieß die Single, die Dank eines brausehaltigen Erfrischungsgetränks in die Charts katapultierte und die New Yorkerin nach 10 arbeitsreichen aber recht erfolglosen Jahren im Musik-Biz endlich einem weltweiten Publikum bekannt machte. Das folgende Album konnte dann auf prominente Hilfestellung verweisen: Steve Lukather, Paul Stanley und Desmond Child gaben sich im Studio die Klinke in die Hand und machten „Trouble Or Nothing“ zu einem herausragenden AOR-Album. Danach wurde es allerdings verdächtig still um Robin Beck. Ein paar Songs von ihr tauchten auf Platten anderer Künstler auf und man hörte sie gelegentlich als background-Sängerin u.a. für Bowie, Richard Marx oder Deep Purple. Also ist es schon eine kleine Überraschung, dass Miss Beck nun mit „Do You Miss Me“ nach über 10 Jahren wieder ein komplettes Album am Start hat. Und das ist ein ganz patentes Stück Musik geworden, das sich prima hören lässt und sofort in die Gehörgänge fräßt. Gelungener AOR-Rock, der den wirklich guten Sachen der 80er in nichts nachsteht und damals ganz erhebliches Hitpotenzial gehabt hätte. Das allerdings ist auch die Kehrseite der Medaille, denn mit 2005 hat keiner der 12 Songs auch nur ansatzweise etwas zu tun. Aber: das muss ja nichts schlechtes sein, zumal mit Desmond Child, Michael Bolton, Amy Sky und Marc Jordan an der songwriter-Front nicht gegeizt wurde. So ist „Do You Miss Me“ ein rundum gelungenes Juwel geworden, das leider 15 Jahre zu spät gekommen ist. Das sollte der Hörfreude aber keinen Abbruch tun!

Frank Scheuermann