Reviews

Lunatic Siren

Label: Massacre Records (2002)

Geduld zahlt sich aus. Sieben Jahre hat es gedauert, bis Twyster endlich den lang ersehnten Plattendeal an Land ziehen konnten. Da man bereits im Vorfeld einige Alben und EPs veröffentlichte, enthält das offizielle Debüt „Lunatic Siren“ nicht nur neu geschriebene Songs, sondern auch einige Stücke der Vorgängerscheiben. Produziert wurde das Album in den Midas Twins Studios, in denen auch Powergod und The Traceelords (mit denen man übrigens 2001 auf Tour war) ihre Eisen schmieden. „Lunatic Siren“ ist ein klassisches Hard Rock Album im Gewand der 80er Jahre mit gelegentlichen klassischen Anlagen. Das größte Plus der Band heißt Coco Voß und ist für die Vocals zuständig. Der Vergleich mit der Metal Queen Doro ist nicht zu überhören, die Stimme der Frontfrau ist ungemein wandlungsfähig und fegt passend zum Bandnamen stürmisch durch den CD-Player. Melodisch, aggressiv, einfühlsam - diese Frau ist ein wahres Naturtalent. Leider überzeugen die Songs nicht alle in solch beeindruckender Manier wie die Sängerin. Der Opener ‚May-Day’ nervt relativ schnell durch seinen langweiligen Refrain, zudem sind zu viele Songs à la ‚Mrs. Borden oder ‚Dark Destiny’ vertreten, die nicht über die Kategorie Einheitsbrei hinauskommen, die Coverversion ‚The Sun Always Shines On TV’ von A-HA ist meines Erachtens ein Griff ins Klo. Aber natürlich wollen wir auch nicht die starken Songs verheimlichen. Grandios umgesetzt wurde das episch mittelalterliche ‚Valhalla’ mit seinen einprägsamen Rhythmus, ‚50 Bloody Bucks’ ist ein etwas härterer Song, bei dem wieder einmal die stimmliche Flexibilität Cocos zum Vorschein kommt. Ansonsten überzeugen vor allem die schnelleren Stücke wie ‚Twyster’, ‚High Noon’ (ein Track für alle Bassfreunde) und ‚Don’t Break The Silence’, dass fast schon in Powermetal-Bereiche vorstößt: Ein flotte Nummer, die leider mit 2:18 Minuten viel zu kurz ausgefallen ist. Generell fällt auf, dass die Produktion sehr ausgewogen ausgefallen ist. Die Gitarren stehen zwar im Vordergrund, trotz alledem hat auch Basser Oliver Emde genug Spielraum, seine überzeugende Rhythmusarbeit darzubieten. Wie es sich gehört, endet die Platte mit einem absoluten Juwel, nämlich der Ballade ‚Two Wild Hearts’, die mit den zu den herausragenden Stücken gehört.

„Lunatic Siren“ enthält sowohl mitreißende Stücke als auch etwas Leerlauf. Insgesamt gesehen ein ordentliches erstes Album. Ohnehin ist die Sängerin schon Grund genug, sich diese Scheibe mal anzuhören.

Oliver Bender






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