Reviews

We're Gonna Need A Bigger Boat

Label: Pirate Records (2004)

Das Wuppertaler Quartett von Three.Minute.Poetry ist spätestens seit den Supporttouren mit Jimmy Eat World, At The Drive-In oder Sum 41 vielen ein Begriff. Ihr Debüt „Slowly Learning That Love Is Ok“ aus dem Jahr 2001 überschüttete die Band größtenteils mit Lorbeeren, aber allzu oft wurde bzw. wird der Vierer in die Schublade Emo gepackt. In ihre Musik stecken Three.Minute.Poetry zwar viel Gefühl, runden dieses aber mit einer gehörigen Portion Punkrock ab, so dass man die Jungs in keine bislang bekannte Schublade stecken kann. Mal schauen wie ihre neuen Kompositionen auf „We’re Gonna Need A Bigger Boat“ rüberkommen…
Das als Intro fungierende ‚Depature’ verrät noch nicht so viel über den Stil der Wuppertaler. ‚Tsfkars’ hingegen legt sofort mit schön rhythmischer Gitarrenarbeit los und erinnert stark an die alt eingesessenen Donots, nur ein Stück melancholischer. Off-Beat Rhythmik und emotionale Vocals bestimmen den Anfang von ‚Party Of One’, recht gewöhnungsbedürftig, da sich beide Eigenschaften eigentlich widersprechen. Im weiteren Verlauf kehrt Three.Minute.Poetry wieder auf die hand-made Rock Schiene zurück und schließen den dritten Song recht punkig ab. Punkrock im klassischen Sinne gibt es erst bei ‚The Easy Way Out’ auf die Lauscher, hier können die richtig gut gelungenen Gesangs-Arrangements überzeugen, die mich ansonsten nicht so vom Hocker hauen. ‚Black Magic’ greift erneut den herrlichen Ska-Stil auf und kommt fast ohne Punkrock-Anleihen aus. Die allseits anwesende Melancholie könnte man bei dieser Art von Songs ruhig mal außen vor lassen, dann wird auch mal ein richtiger Knaller daraus. Die Ballade ‚Honest Song’ bringt die traurige Grundstimmung des Albums nahezu perfekt rüber, hier hat das Quartett eindeutig seine Qualitäten. Man kommt durch punkige Zwischenspiele mal aus dem emotionalen Trott heraus und wertet die Musik enorm auf, mehr von solchen Tracks. ‚The Road’, der vorletzte Song, dreht das ganze Spiel einmal um und lässt im Chorus softe Töne erklingen und in den Verses darf bei schön verzerrten Gitarren abgegangen werden. Zum Abschluss gibt es nochmals eine herzergreifende Ballade namens ‚Save Way Home’ geboten, die den Jungs einfach gut zu Gesicht steht.

Tja wie ordnet man jetzt die Band ein ich würde sagen: melancholischer Punkrock, der stellenweise richtig gut reingeht, aber durch seine Ska-Anleihen ein wenig außer Kontrolle gerät. Das verspricht zwar Abwechslung, aber irgendwie passt das nicht zusammen. Na ja die vielen Vorschußlorbeeren haben wohl zu einem genaueren Hinhören geführt und einige Schwachpunkte erkennen lassen. Nichts desto trotz blitzt hier und da der ein oder andere geniale Gedanke durch, den es nun gilt durchzuhalten. Emotionale Mucke, für graue Tage.

Nils Manegold






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