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Speech

Label: Repertoire (1972/2021)

Es ist recht merkwürdig. Fast jeder, der sich mit der Bluesrockszene in Großbritannien vor etwa 50 Jahren auskennt, schnalzt bei der Nennung des Namens Steamhammer anerkennend mit der Zunge. Den Erstling liebt jeder, haben doch auch Status Quo den Song "Junior's Wailing" nicht nur gecovert, sondern jahrzehntelang im Liveset behalten. Mk II wird mit seiner jazzigeren Ausrichtung immer noch gerne gehört, als Magnum Opus gilt sicherlich Mountains, mit seiner eigenwilligen Mischung aus Studiostücken und Liveaufnahmen. Einzig das letzte Werk, der mittlerweile zum Trio geschrumpften Band, "Speech" löst immer wieder Kontroversen aus. Für die einen ein Meilenstein, für die anderen zu vertrackt und merkwürdig. 

Zugegeben, mit Easy Listening hat die Platte nichts zu tun, aber man gibt mit reichlich Soloparts für die Musiker der Virtuosität doch breiten Raum. Manche wähnen hier sogar den Ursprung des Doom Metal (was ich ein bisschen gewagt finde, jedoch im Ansatz ein wenig nachvollziehen kann). In jedem Fall ist es die progressivste Scheibe einer Band, der Namen spätestens hier (trotz gelegentlicher Ausbrüche) nicht mehr so recht zur gebotenen Musik passen möchte. Für das Marketing war es damals bestimmt auch eher hinderlich, dass der gerade einmal 25-jährige Drummer nur kurz nach der Veröffentlichung an Leukämie gestorben ist. 

Repertoire eröffnen uns hier aber die Möglichkeit, diese in meiner Wahrnehmung tolle Platte noch einmal in all ihrem Vinylglanz zu genießen. Traut euch, sie hat es verdient!

Frank Scheuermann

8/10 






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