Reviews

Soundchaser

Label: SPV (2003)

Nachdem ich nach der fabelhaften „Perfect Man“-Scheibe, bzw. dem mir nicht ganz so zusagenden Nachfolger „Secrets In A Weird World“ Rage ziemlich aus den Augen verloren hatte, bzw. mich mit den neueren Sachen – inkl. dem ganzen Orchester-Brimboriums namens „Lingua Mortis“und „XIII“ wenig bis ganz wenig anfangen konnte, war ich nach dem ersten Hördurchgang von „Soundchaser“ derart überrascht, dass ich mir schon die Frage stellte, ob das wirklich die Band ist, die für den – nennen wir´s mal diplomatisch nicht gerade sehr tollen – Vorgänger „Unity“ verantwortlich zeichnete.

Schon alleine der Opener ‚War Of Worlds’, der dem toll arrangierten, verfrickelten Intro ‚Orgy Of Destruction’ folgt, ist ein Ohrwurm par excellence, den auch eine Band wie Grave Digger nicht besser hinbekommen hätte, genau wie das nachfolgende ‚Great Old Ones’, dessen Name wirklich Programm ist und von der Gitarrenarbeit her tatsächlich Vergleiche mit oben genannter Teutonentruppe um Onkel Reaper zulässt. Nach diesem melodischen Gourmet-Doppel folgt dann mit dem Titeltrack die Zeitreise in die Achziger. Dieser Song passt meiner Meinung nach live definitv zwischen die Klassiker ‚Don´t Fear The Winter’ und ‚Execution Guaranteed’. Düster, trotzdem melodisch, dazu die technischen Fertigkeiten der Herren Smolski und Terrana, die es mit dieser Platte wohl endlich geschafft haben, auch für Zweifler wie mich die Ära Efti und Schmidt vergessen zu machen. Ging mir bei den letzten Platten, deren Songs ich mir oft genug live geben durfte, das ganze Gefrickel, das meiner Meinung nach nie zu der Band passte, eher auf die Nerven, bin ich mir nun sicher, dass Peavy und seine Spießgesellen es nun endlich geschafft haben, die Power, die die alten Platten auszeichnete, mit der gegebenen technischen Fertigkeit zu verknüpfen.

Doch zurück zu der Platte: nach dem geilen Powerkracher ‚Defenders Of The Ancient Life’ geht es mit dem Quasi-Titeltrack der 89er-Scheibe ‚Secrets In A Weird World’ wieder einige Jahre zurück; Old School trifft auf coole Klavier-Spielereien verbunden mit Smolski´s progressiven Gitarren-Leads; dazu ein melancholischer Klasse-Refrain. Saugeil und definitiv ein Hit und Soon-to-be-Classic!

Danach wird´s dann zum ersten Mal etwas gemäßigter. Auch wenn ‚Flesh And Blood’ von seiner tragenden Atmosphäre lebt, schafft es Mike Terrana, durch ständige Double-Bass-Treterei, dem Song genug Power zu verleihen, doch leider stellt sich die „Halbballade“ inmitten den Killertracks als eher durchschnittlich heraus! Hätte man auf „Unity“ packen können (grins)!

Der Rocker ‚Human Metal’ entschädigt dann aber wieder für die paar Minuten Durchschnitt und bläst einem geilen Heavy Metal ins Gesicht, dass einem wirklich schwindlig wird! Absolut eingängiger Mitgröhl-Refrain, der wohl schon bald auf den Konzerten zum abslouten Stimmungsmacher avancieren dürfte.

Song Nummer 9 ‚See You In Heaven And Hell’ ebnet dann den Weg für das Herzstück des Albums ‚Falling From Grace’, das in die beiden Teile ‚Wake The Nightmares’ und ‚Death Is On Ist Way’ unterteilt ist, und das absolute Highlight von „Soundchaser“ darstellt. Ruhige Momente wechseln sich ab mit Highspeed-Riffing und Double-Bass-Drumming! Auch das Accept-mäßige Riff gegen Ende des zweiten Parts passt genial zum Song. Alles in allem, ein absoluter Hammer!!!

Leider ist bei diesem – zugegeben ziemlich analytischen Review das Text-Konzept, das sich mit dem Biomechanoiden „Soundchaser“ befasst, zu kurz gekommen, da ich aufgrund fehlender Texte nicht den Einblick in die Story hatte. Nach Meinung anderer, die sich bereits mit den Texten beschäftigen durften, handelt es sich um eine sehr ausgefeilte und lesenswerte Story, die ich mir bei Gelegenheit auch mal zu Gemüte führen werde.

Fazit: Rage sind zurück, stärker als erwartet und haben es geschafft, den Verfasser dieser Zeilen eines besseren zu belehren. Für mich persönlich stellt „Soundchaser“ ein wirklich geniales „Comeback“ einer der dienstältesten Teutonen-Metal-Bands dar, und so kann ich jeden nur auffordern, sich sofort die neue Scheiblette zu sichern!

Welcome back, Jungs…!

Michael Meyer






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