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The RPWL Experience

Label: InsideOut (2008)

Was soll man noch sagen zu Deutschlands Vorzeigeproggern Nr. 1? RPWL verbinden immer wieder aufs Neue das Erbe der 70er Jahre (allen voran in Erinnerung an Pink Floyd) mit dem musikalischen Tagesgeschehen. Dabei bleibt man sympathisch altmodisch in den Arrangements und lässt es dennoch ordentlich und mit Stil krachen.

Dass man dabei selbstironisch und augenzwinkernd bleiben kann, beweist das köstlich betitelte "This Is Not A Prog Song", das sich tatsächlich mehr nach Brit Pop als nach Prog anhört. Allerdings könnte man auch anmerken, dass Pink Floyd - bevor sie denn zu Prog wurden - auch so eine Art Brit Pop gespielt haben.

Insgesamt aber überwiegen die ruhigeren und epischen Stücke, die mit der Zeit wachsen. Überall liegen schöne Details versteckt, wie z.B. in 'Watch Myself', das mit dem besten Slidegitarren Solo aufwartet, das David Gilmour auf "Wish You Were Here" nie gespielt hat.

Auch der monumentale Eröffnungssong "Silenced" besticht durch seine Differenziertheit und gleichzeitig durch seine elegante Stringenz. Die eigentlich große Überraschung bieten RPWL allerdings mit einer fast schon unheimlichen Coverversion von Bob Dylan's 46 Jahre altem Antikriegssong "Masters Of War", der hier so schleppend daherkommt, dass man wirklich die Band am Grab von George W. Bush zu sehen glaubt, wo sie sich endgültig von des Kriegstreibers Tod überzeugen möchte! Magisch!

Ich kann jedem an Progressive Rock auch nur annähernd interessierten Menschen nur empfehlen, sich einmal auf "The RPWL Experience" einzulassen. Wenn man aber auf Pink Floyd in der Phase ab "Dark Side Of The Moon" steht, dann kommt man an dieser Scheibe schlicht und ergreifend nicht vorbei!

Frank Scheuermann