Reviews

Infinity Divine

Label: LMP Music (2004)

Progressive Metal aus Norwegen, dass ich das noch erleben darf. Aus diesem Teil der Erdkugel ist man doch eher dem Black Metal zugetan, auch wenn aktuell mit Jorn Lande mal wieder ein Ausreißer vorhanden ist. Auf den ersten Blick scheint es etwas ungewöhnlich, wenn eine Band, die erst 2 Alben rausgebracht hat, sich nun entschließt, dass Debüt erneut zu veröffentlichen. Doch schon nach wenigen Minuten wird klar, wie gut es die Band mit uns meint.

Brillant. Das war mein erster Gedanke, nachdem diese Scheibe zum ersten mal meinen Player in voller Spielzeit passierte. Wer ein solches Debüt aufnimmt, ist eigentlich für größeres bestimmt. Wir sollten nicht in Dream Theater Sphären denken, aber was Pagan’s Mind hier abliefern, ist Progressive Metal der ersten Kategorie. Hier sind ohne Ausnahme nur Könner am Werk, die als Band nahezu perfekt funktionieren. Die beiden Gitarristen Thorstein Aaby und Jorn Viggo Lofstad verschaffen uns hierbei den puren Hörgenuss: Fantastische Gitarrenläufe, starke Soli, ein Hammerriff nach dem nächsten, kurzum: Technisch auf höchstem Niveau ohne den Hörer zu überfordern. Das gleiche gilt auch für die restlichen Bandmitglieder. Schlagwerker Stian Kristofferrsen agiert ungemein variabel, mit sehr vielen Breaks, zugleich aber mit hohem Tempo. Die Keys sind allgegenwärtig, drängen sich aber nicht auf und verleihen den Stücken einen Mix aus Anmut und Mystik. Mit Sänger Nils K. Rue hat man ebenfalls einen ganz starke Shouter in seinen Reihen, der zwar zumeist in etwas höheren Tonlagen agiert aber vor allem in dem genialen King Diamond Cover ,At The Graves’ beweist, zu welch großartigen stimmlichen Explosionen er in der Lage ist. Bei dieser Ansammlung von Klassestücken fällt es schwer, die Highlights herauszupicken. Aber selbst der „einfachste“ und eingängiste Song ,Angels Serenity’ ist dermaßen mit technischen Feinheiten gespickt, dass es fast einer Verschwendung gleichkommt, dass dieser Track nur knapp über 4 Minuten lang ist. ,A New Beginning’ kommt auf die doppelte Spielzeit und hält vor allem zu Beginn einem Vergleich mit Rage mühelos stand. Aber egal, welchen Song man sich herauspackt, Pagan’s Mind sind packend, überraschend, grandios - zur jeder Sekunde.

Pagan’s Mind spielen mit dieser Scheibe in der Champions League. Dortiger Verbleib nicht ausgeschlossen.

Oliver Bender