Reviews

Lullaby And...The Ceaseless Roar

Label: Warner Music (2014)

Schon das eine oder andere mal hat mich Robert Plant im Laufe seiner nun über dreißigjährigen Solokarriere schon überrascht. Ob es nun Forschergeist und grenzenlose Experimentierfreude war, die den ehemaligen Led Zeppelin Frontmann wie ein Blatt im Wind von Genre zu Genre getrieben hat, oder ob es sich dabei um einen Abgrenzungsprozess von der Band handelt, die ihn zu einem Weltstar gemacht hat, und die auch 30 Jahre nach ihrem ofiziellen Aus immer noch imstande war, 10000 Tickets innerhalb eines Wimpernschlags zu verkaufen, wird wohl nur ein versierter Psychologe abschließend klären können.

Begann er mit Platten wie "Pictures At Eleven", "The Principle Of Moments" und "Shaken'n'Stirred" noch mit wavigem Poprock, so schien er sich mit zunehmender Zeitdauer wieder seiner Herkunft mit Platten wie "Now & Zen", "Manic Nirvana" und vor allem "Fate Of Nations" wieder annähern zu wollen. Nach dem nicht sonderlich überzeugenden Page/Plant-Intermezzo wurde es dann endgültig etwas konfus und Bluegrass, Ethnopop und schnarchiges Balladengesäusel wechselten sich ab. Daher verwundert es auch nicht, dass sich meine Vorfreude auf "Lullaby And...The Ceaseless Roar" in deutlich überschaubaren Grenzen gehalten hat, zumal schon durchgesickert war, dass es sich um ein weiteres Werk mit großem Ethnoanteil handeln würde.

Zu meiner eigenen größten Überraschung muss ich sagen, dass die Platte erstaunlich gut funktioniert. Robert Plant klingt stimmlich so jung und überzeugend, wie ich ihn schon verdammt lange nicht mehr gehört habe. Natürlich rockt hier nichts wirklich, aber die Stücke, die mit afrikanischen udn asiatischen Instrumenten gepimpt sind, stecken trotzdem voller Dynamik. Und - was Robert Plant wohl selbst nicht vermutet hätte - einige davon hätten auch auf Led Zeppelin III Platz finden können oder hätten sich nahtlos in das Konzept der Scheibe "Unledded" eingefügt. Denkt man sich an einigen Stellen noch die schrägen Powerchords von Jimmy Page dazu, ergänzt noch ein donnerndes Schlagzeug mit verzögertem Backbeat (à la John Bonham), dann kommt diese Scheibe seiner alten Band schon erstaunlich nah, wenn auch nur in der folkigen Version.

So bleibt für mich festzustellen, dass Robert Plant anno 2014 sehr frisch und jugendlich rüberkommt und tatsächlich mal wieder eine richtig interessante Scheibe abgeliefert hat, auch wenn sie vermutlich nicht zu einer meiner Inselplatten werden wird.

Frank Scheuermann

8/10






Rock & Pop Tickets bei www.eventim.de