Reviews

Amor Vincit Omnia

Label: Superball Music (2009)

Was habe ich vor zwei Jahren das Erscheinen des offiziellen Debütalbums von Pure Reason Revolution abgefeiert. Alles war vertreten, was den klassischen Progfan zur Extase treibt: Pink Floyd Klanglandschaften, bratzige Gitarrenparts, verschrobene Rhythmen und epische Songs. Letztes Jahr legte ich mir sogleich die Live CD vom Nearfest zu, um die Zeit zur neuen CD zu überbrücken. Gut, die darauf enthaltenen neuen Songs konnten das Niveau der "The Dark Third" Titel nicht ganz halten, aber was solls?

Nun ist die neue Platte mit dem viel versprechenden Titel "Amor Vincit Omnia" endlich da. Mit zittrigen Fingern verschwindet sie im CD-Player. Doch was ist das? Depeche Mode? Nie und nimmer sind das Pure Reason Revolution. Nochmal raus damit, nachschauen. Fehlpressung? Nein, die Texte im Booklet stimmen mit den gesungenen Passagen überein. Das ist eine völlig neue Band. Weiterentwicklung ist ja gut und völlig okay, aber was hier passiert ist, ist weitestgehend ein Abbruch der Tradition. Mag ja sein, dass die Songstrukturen noch vergleichbar zur ersten CD sind, aber man spürt es nicht mehr, da alles mit synthetischen Sounds zugekleistert ist. Das Schlagzeug klingt nach 80er Jahren Drumcomputern und alles wirkt bewusst programmiert. Wie hatten sich die Bandmitglieder im Vorfeld zu Wort gemeldet? "Wir haben sehr viel am Computer gejammt!" Ja, das erklärt diese Platte. Ich will nicht sagen dass sie schlecht ist, aber sie bietet nicht das, was man von dieser Band sich erhofft hatte. Zumindest nicht in meinen Kreisen. Was geblieben ist, sind die eigenwilligen Chorgesänge, die allerdings über all der Künstlichkeit ein wenig deplatziert wirken.

Auch wenn ich den Wunsch nach künstlerischer Freiheit nachvollziehen kann, so kann ich nur ganz egoistisch hoffen, dass Pure Reason Revolution wieder einen anderen Pfad einschlagen werden.

Frank Scheuermann