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Eternal Wheel

Label: SPV (2004)

Von den einen respektlos als Kiffermucke abgetan, von den anderen als perfekte Verschmelzung von Krautrock, Heavy Metal, Ethno und Trance gepriesen, führten die als Jam-Band angelegten Ozric Tentacles seit Beginn der 80er Jahre ein Schattendasein am Rande des Musikgeschäfts und sorgten durch unermüdliches Touren dafür, dass eine immer größer werdende Fangemeinde allen Schritten der Spacerocker folgte. Nach nunmehr über zwei Jahrzehnten im Musikgeschäft und der Veröffentlichung von über zwanzig Albern (z. T. nur als Cassetten bei Konzerten verkauft) hielten es jetzt Hawkwind Adept Ed Wynne (guitars, synths, programming) und seine stets wechselnden Kollegen es nun wohl für angebracht, eine gut gefüllte Doppel CD in die Läden zu stellen, die einerseits das gesamte Spektrum des musikalischen Schaffens zu würdigen versucht, andererseits auch der schier unübersichtlichen Fülle an Veröffentlichungen Rechnung zu tragen bemüht ist.

Das Ergebnis ist dabei ebenso beachtlich wie verstörend, da die in der Konzeption (?) der Ozrics angelegte Vielfalt die üblichen Hörgewohnheiten vor eine erhebliche Probe stellt. Mir persönlich gefallen die Passagen am besten, an denen man sich der Krautrockklischees (allen voran Kraan und Guru Guru) annimmt, die Embryo-Anleihen mit Ethnotouch wissen auch zuweilen zu gefallen, wobei mich die Ausflüge in den Kontext der elektronischen Musik noch am meisten langweilen.

Der noch nicht eingeweihte Musikfreund soll sich übrigens auch von der Vorstellung durchgehender Songs bitte sehr verabschieden, weiß man sich doch im Hause Ozric Tentacles besonders vom Acidrock der 60er Jahre beeinflusst, als Jamsessions und Endlosimprovisationen der perfekte Soundtrack zum LSD-Konsum waren. Wer also mal mit den Ozrics auf die Reise in unentdeckte musikalische (ganz ohne Gesang!) Galaxien gehen möchte, der hat hier das perfekte Kennenlernangebot mit durchaus repräsentativem Material an der Hand! Tune in, turn on, drop out!

Frank Scheuermann






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