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Grand Illusion

Label: Century Media (2005)

Das war doch mal ne Überraschung. Irgendwie ist die Info über das bevorstehende Release der Schweden im Vorfeld an mir vorbei gegangen. Und ehe man nicht damit rechnet, hält man die brandneue Scheibe in den Händen. "Grand Illusion" ist mittlerweile der siebte Streich des Schweden Fünfers. Nachdem der Vorgänger "New World Messiah" einige ungewohnte Schwächen aufwies, so besinnen sich Nocturnal Rites, so viel darf schon mal gesagt werden, wieder auf ihre Stärken.

Das Coverartwork von Axel Hermann ist dieses mal sensationell ausgefallen und präsentiert die Band angriffslustig wie eh und je. Gott sei dank ist die Produktion auch wieder dem Bereich Schwermetall zu zuordnen und bringt die notwendige Härte zurück ins Spiel. Dies war vor allem beim Vorgänger ein großes Manko, das nun mit Erfolg wieder ausgemerzt wurde. Auch in punkto Songmaterial haben die Schweden wieder einen großen Schritt nach vorne gemacht und bewegen sich scheinbar mühelos wieder auf dem gewohnt hohen Niveau. "Grand Illusion" klingt wie ein Mix aus dem härteren "Afterlife" und dem melodiösen "Shadowland" und bringt Nuancen der Band zum Vorschein, die man so in dieser Weise von den Schweden nicht gewohnt ist. Bestes Beispiel hierfür: ,Cuts Like A Knife', der wohl härteste und dunkelste Song der Bandgeschichte. Ausgestattet mit einem Riffing, das an Morgana Lefay erinnert, werden die Vocals von Frontmann Johnny Lindqvist vom Naglfar Shouter Kristoffer W. Olivius mit dämonischen Screams untermauert. Allererste Sahne und zugleich ein gelungenes Experiment in anderen Sphären. Neben diesen neuen Elementen muss man jedoch auch nicht auf die typischen Nocturnal Rites Trademarks verzichten: ,Never Trust' und ,Never Ending' entsprechen den gewohnt temporeichen und melodischen Uptempotracks (teils mit starken Keyboardeinlagen), ,Still Alive' besticht durch ein einen ausdrucksstarken Chorus und einem glänzend aufgelegten Frontmann. Mit dem Opener ,Fools Never Die' hat man zudem eine midtempobasierte Nummer am Start, die auch bestens auf die letzte Masterplan gepasst hätte. ,Delieverance' beschließt mit seinem schleppendem und dennoch kraftvollen Rhythmus eine erstklassige Powermetalscheibe, die in punkto Spielwitz und Kurzweiligkeit vollends einschlägt. Das Album wird zudem in einer limitierten Version erhältlich sein, inklusive Bonus DVD, Videos und Live Aufnahmen der "Demons Of The Opera" Show mit Orchesterbegleitung.

"Grand Illusion" könnte schon bald zur "Grand Reality" werden. Ein Muss für alle Powermetalfans. Der Band bleibt zu wünschen, dass sie den verdienten Erfolg einfährt und nach der Europa Tour mit Gamma Ray vielleicht auch mal als Headliner durch die Lande zieht.

Oliver Bender






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