Reviews

Once

Label: Nuclear Blast (2004)

Vorbei sind die Zeiten in denen Nightwish noch als Support für Rage agierten und man nach dem Konzert noch gemütlich und völlig unbeirrt in der Menge mit Tarja ein Schwätzchen halten konnte (der beteiligte Redakteur wird sich noch dran erinnern). Die Finnen haben sich seitdem zu den Top Acts in der Szene gemausert und sich einen Status erarbeitet, der für die meisten Bands in diesem Sektor wohl ewig ein Wunschtraum bleiben wird. War die Truppe um den zurückhaltenden Keyboarder und Songwriter Tumoas schon zu Anfangszeiten in ihrer Heimat in aller Munde, so spielt die Band mittlerweile in allen Ecken der Welt vor begeisterten Massen. Insofern dürfte das 5. Studiorelease „Once“ eines der sehnsüchtig erwartetsten Alben des Jahres sein, auch im Hinblick auf die Weiterentwicklung des eher düster angehauchten „Century Child“ Albums.

Das Nightwish von je her nicht nur durch Tarja’s Stimme sondern auch durch die musikalische Komponente einen klassischen Touch haben, hat sich von den Anfängen bis heute immer mehr herauskristallisiert und findet nun mit „Once“ seinen vorläufigen Höhepunkt. 9 der 11 Tracks wurden mit dem Londoner Session Orchester aufgenommen, dass auch an dem Soundtrack für „Herr Der Ringe“ mitgewirkt hat. Für meinen Geschmack hat die Band mit diesem Album die richtige Balance gefunden zwischen der klassischen Schiene, epischen Elementen und der notwendigen Härte. Dies wird zugleich beim Opener ,Dark Chest Of Wonders’ deutlich, der all diese Charakteristika vereint und beispielthaft für den Stil dieses Albums steht. Das darauf folgende ,Wish I Had An Angel’ ist der typische Party Song (vergleichbar mit ,Dead To The World’), expermintiert ein wenig mit modernen Soundeinflüssen und läßt erstmals Tarja und Basser Marco Hietala als gleichberechtigte Sänger agieren. Wie sehr der Bassist sich mittlerweile in der Band etabliert hat, beweisen auch seine vermehrten stimmlichen Einsätze. Aber auch wenn beispielsweise der Song ,Planet Hell’ klar von ihm dominiert wird, liegt der stimmliche Fokus der Songs nichtsdestotrotz weiterhin klar bei Tarja. Auch hier gibt es einige Feinheiten / Neuerungen in ihrer Stimme zu erkennen, die Vocals sind zum Teil weicher, nicht so extrem klassisch betont (z. B. ,Dark Chest Of Wonders’), was die Vielseitigkeit des Songmaterials noch weiter steigert. Das Album an sich deckt die komplette Bandbreite des bisherigen Schaffens der Band ab. Neben den bereits erwähnten Stücken tummeln sich auf „Once“ desweiteren midtempoorientierte Halbballaden à la ,Nemo’ (zugleich auch die erste Singelauskopplung), straighte rifforientierte Songs wie ,Dead Gardens’ oder auch das schaurige ,Romanticide’. Die einzige echte Ballade ,Kuolema Tekee Taiteilijan’ wird nicht als die beste der Band in die Geschichte eingehen symobolisiert aber die gefühlvollen Melodien der Band sehr gut. Im Zentrum des Albums stehen zum einen ,Creek Mary’s Blood’ (mit indianischen Einflüssen) sowie das traumhafte ,Ghost Love Score’, das in knapp 10 Minuten den einzigartigen Klang des Orchesters in Verbindung mit der Band und den überragenden Chören exzellent kombiniert.

Nightwish oder die Leichtigkeit des Seins. „Once“ fasziniert auf allen Ebenen, begeistert auch nach zig Durchläufen und läßt zu keinem Zeitpunkt Zweifel an der Klasse der Finnen aufkommen. Kaufen, anhören, genießen!

Oliver Bender






Rock & Pop Tickets bei www.eventim.de