Reviews

Hammered

Label: SPV (2002)

Nachdem sich Kollege Rothe vor geraumer Zeit anlässlich der S.A. Adams Rezension zu gewagten religionswissenschaftlichen Spekulationen bezüglich der Reinkarnation Lemmys und seiner Mannen verstiegen hat, kann man jetzt auf breiter Front Entwarnung geben: Lemmy ist nicht in Gestalt einer US-Band wiedergekehrt, er weilt immer noch als Original unter uns. Und wie! Schon bei den ersten Akkorden des Midtempo-Openers ‚Walk A Crooked Mile’ wird klar, wie der Hase läuft: fette Riffs, geile Soli und Lemmys zeitlos geniales Röchel-Organ, das so klingt, als sei alles schon immer so gewesen, wie es einem jetzt aus den Boxen entgegendröhnt. Der Duden kennt dafür ein Wort: Rock’n’Roll! Mit „Brave New World“ legt man eine ordentliche Schaufel zu, nachdem der zweite Track ‚Down The Line’ auch eher im Groove-Bereich angesiedelt ist. So ganz genau kann man eigentlich nicht ausmachen, wo hier eigentlich der riffmäßige Unterschied zu ‚Ace of Spades’ und ähnlichen Klassikern besteht. Zumindest beim nächsten Gastspiel dieser Rock-Urviecher wird angesichts viel zu hoher Dezibel ein Unterschied maximal hundert Meter vor der jeweiligen Halle auszumachen sein (An dieser Stelle einen Gruß an den Kollegen Mike Seifert vom Breakout, mit dem ich vor ca. 5 Jahren beim Motörhead-Gig in der Eberthalle Ludwigshafen ein Song-Quiz im Foyer der Halle gemacht habe...‘s war nix zu erkennen!...aber geil!).“Mine All Mine“ hat gewisse ZZ Top-Anleihen, die allerdings – wie immer - durch den Lemmy-Wolf gedreht worden sind. Zum Ende hin werden unsere Ohren noch mit ‚Red Raw’ penetriert, 4:05 Minuten Bleifuß auf der Rock’n’Roll Autobahn! Mit dem an ‚L.A. Blues’ von den Stooges erinnernden ‚Serial Killer’ allerdings endet die Platte eher ungewöhnlich. Fazit: Mal wieder keine Balladen, keine potentiellen Top Ten Songs, sondern Motörhead in Höchstform! Go, Lemmy, go! (Okay, ich hab’s mir bis jetzt verkniffen, aber ich kann’s nicht mehr unterdrücken: ‚Hammered‘ ist alles andere als ‚Be-Hammered‘! Okay, fünf Euro in die Kasse für beschezerte Wortspiele!).

Frank Scheuermann