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Say Anything...

Label: Seamview Records (2004)

Man stelle sich mal vor, die Deftones hätten auf einmal Null Bock coole Mucke zu machen und würden ihren Stil und ihre Instrumente an die erstbesten verschenken, die ihnen über den Weg liefen. Hinzu stößt dann auch der (von mir ja so sehr geliebte) Sänger von Placebo, der, in seiner so unnachahmlichen Weise, mit seinem leierhaften Gesang jedes Martinshorn übertrifft und nun im Background steht. Insgesamt wird der Sound dann noch kräftig runtergefahren, so dass sich die Gitarren auf einmal wie in der musikalischen Früherziehung anhören. Das Resultat bietet Mindstab. Unglaublich aber wahr, selten habe ich eine Band mit den Ansprüchen erlebt, die sich als absoluter Witz entpuppt. Zugegeben, hier und da sind mal der eine oder andere Augenblick, in dem selbst ich glaubte, die Band würde die Kurve kriegen. Doch bedauerlicherweise musste sich dann ja wieder einmal dieser schreckliche Gesang im Hintergrund breit machen. Und damit nicht genug, das komplette Album ist überfüllt mit nervigen Effekten. Die Gitarre gibt zwar alles, doch ist sie alles andere als fett. Am ehesten könnte man den Stil der Band mit Pain In The Ass, Deftones oder den Emil Bulls vergleichen, allerdings auf einem unterirdischen Niveau.

Mindstab wird vom einem Quintett gebildet, das sich schon 1996 in Lichtervelde (Belgien) meinte gefunden zu haben. In den Benelux Staaten scheinen sie ganz gut anzukommen, was ihre vielen Konzerte und große Touren zeigen. Sie selbst beschreiben ihre Musik als nicht einordbar. Irgendwo zwischen Industrial, Gothic, Wave, Noise, Stoner, Electro, HC, Alternative Rock und POP schüttel ich nur den Kopf und kann lediglich zugeben, dass die fünf Jungs es irgendwie versuchen düster rüberzukommen, mehr kann ich dann doch allerdings nicht raushören. Eigentlich rocken sie nicht einmal, sondern sind nur nervig. Ich war froh als die CD endlich aus meinem Player wieder draußen war.

Der nächste Knaller ist der Sänger, der in Interviews über seine Texte nicht viel sagen will, da sie zu persönlich seien. Lediglich die Tatsache, dass er seine Texte als Eigentherapie betrachtet, wird mehr als oft erwähnt. Nun, wenn man jedoch seinem Debüt den Titel „Boarderlined“ gibt, so denke ich, dass man nicht mehr viel dazu sagen muss, als dass der gute Kerl wohl nicht in die Nähe von scharfen Gegenständen gelassen werden sollte.

„Say Anything...“ ist kein Werk, das ich irgendwem ans Herz legen will. Erschienen ist es unter Seamiew Records, und wen es noch interessiert, der horche auf, denn die Band geht mit Pro Pain auf Tour und macht hierbei auch den ein oder anderen Abstecher nach Deutschland.

Tim Ruhl






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