Reviews

Aeronautics

Label: AFM Records (2005)

Seit dem Triumphzug von Hammerfall gab es in den letzten Jahren wohl keine Formation, die mit ihrem Debutalbum so einschlug wie Masterplan. Wohlmöglich hätte es diese Scheibe nie gegeben, wäre dem Kreativduo Grapow / Kusch nicht die weitere Mitarbeit bei Helloween verwehrt geblieben. Letztlich stand der Rauswurf bei einer der deutschen Metal Institutionen schlechthin, mit der Gründung von Masterplan folgt wohlmöglich die nächste glorreiche Ära. Die Band wurde 2003 bereits auf ihrer Tour mit Hammerfall frenetisch abgefeiert, spielte im gleichen Jahr auch auf den großen Festivals beim Bang Your Head und in Wacken und startet nun in diesem Jahr die erste Headlinertour nach nicht einmal 2 Jahren Existenz! Als Sahnehäubchen wurden Masterplan Anfang 2004 der „European Border Breakers"-Award verliehen für die meistverkauften Platten einer Newcomerband im Ausland.

Logischerweise schürt ein dermaßen erfolgreiches Debut die Erwartungen und steigert zugleich den Druck auf die Band. Demzufolge wurde für „Aeronautics“ nichts dem Zufall überlassen. Produziert wurde die Scheibe von Andy Sneap, der Mix stammt von Mika Karmila. Mit Sicherheit keine günstige Variante, aber dafür auch mit die beste Wahl die man treffen konnte. Zudem flossen beim „Masterplan“ Nachfolger auch die Ideen aller Bandmitglieder mit in die Songs ein. Während die Stücke auf der ersten Scheibe zum größten Teil schon fertig waren, hatten nun auch Basser Jan S. Eckert und Keyboarder Axel Mackenrott genügend Freiheiten, eigene Vorschläge in den Tracks umzusetzen.

Nach den ersten Durchläufen fällt vor allem auf, dass Masterplan mit diesem Album nicht auf Nummer sicher gehen, „Aeronautics“ ist keine Kopie des Vorgängers. Vielleicht auch bedingt durch das gemeinsame Songwriting klingt die Platte nicht mehr so frei von der Leber weg. Die Songs wirken komplexer, teils auch progressiver. Der stürmische Opener ,Crimson Rider’ stellt auf der Scheibe eher die Ausnahme dar. Songs im Stile von ,Kind Hearted Light’ sind kaum vertreten, stilistisch ist es nach wie vor Melodic Metal, der Hard Rock Einfluss hat jedoch deutlich zugenommen. Eingebettet in diesem Gerüst finden sich auf dem Album ausnahmslos klasse Songs, mit dem sich die Band mal wieder selbst übertroffen hat. Angefangen von dem leicht melancholischen ,Back For My Life’ ,dem treibenden ,Headbanger’s Ballroom’ oder dem gänsehauterregendem ,Falling Sparrow’; Masterplan haben einfach das Feeling für großartige und bewegende Melodien, sodass man sich immer wieder dabei erwischt, wie der Fuß im Takt mitwippt. Auch wenn es Frontman Jorn Lande niemanden mehr beweisen muss, seine Leistung ist mal wieder allererste Sahne. Seine markanten Screams (beispielsweise bei ,Dark From The Dying’) sowie eine Flexibilität in den Vocals, die nur wenige erreichen, ist die pure Kombination von Power und Explosivität. Roland Grapow seinerseits spielt, wie auch schon beim Vorgänger, enorm songdienlich, umso mehr begeistern dann auch seine Soli. Uli Kusch trommelt, fast schon in gewohnter Qualität, in höheren Sphären und weiß mit Jan S. Eckert am Bass einen perfekten Partner für die Rhythmusarbeit an seiner Seite. Last But Not Least verleiht Keyboarder Axel Mackenrott den Songs oftmals eine melancholische und auch verträumte Note. Der Einfluss der Tastentöne ist durchaus gewachsen, wodurch die Songs auch atmosphärisch an Klasse gewinnen. Highlights gibt es auf dieser Platte viele. Erwähnen möchte ich hierbei neben dem bereits genannten Opener ,Crimson Rider’ das ebenfalls etwas flotter angehauchte ,Into the Arena’ sowie das abschließende ,Black In The Burn’. Dieser Song kratzt an den 10-Minuten Grenze und enthält nahezu alle Trademarks, die Masterplan binnen kurzer Zeit zu den Sternen katapultierten. Fantastischer Ausklang. Allen Kaufwütigen sei an dieser Stellen noch dazu geraten, sich den limitierten Digipack zu krallen. Neben der hübschen Verpackung gibt’s hier noch einen Bonustrack (,Treasure World’) obendrauf sowie für alle PC Freaks ein paar Wallpaper und Screensaver.

Die Texte von „Aeronautics“ handeln von der Thematik des Fliegens und passen somit exzellent zum bisherigen Werdegang der Band. Masterplan dürften sich, gemessen am bisherigen Erfolg, ohnehin schon im 7. Himmel befinden. Das zweite Album erfüllt ausnahmslos die Erwartungen und dürfte nur ein weiteres Kapitel sein auf dem steilen Weg nach oben. Muss man haben!

Oliver Bender






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