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For Demolition Of A Spiritual Framework

Label: Indigo (2004)

Man kann es ja inzwischen nicht mehr hören: immer mehr Abbau im Westen, Erschließung des fernen Ostens, Abwanderungen nach China oder sonst wo. Das gleiche trifft seit neuestem auch auf so manche Sparte der Musik zu. Doch unabhängig davon, dass ich mir einen Japaner nur schwer ohne seine Konica, dafür aber mit einer Gitarre Marke Ibanez vor einem fetten Marshall Verstärker vorstellen kann, bin ich durchaus positiv überrascht, wenn nicht hell auf begeistert, was ich da zu hören kriege. Denn es ist gerade der psychedelische Rock, oder Acid Rock, der jetzt in Japan zusammen mit der unglaublichen Retro Welle der 70`er wieder so richtig auflebt.

Die Band aus Tokio existiert bereits seit 1987, und ist dort durchaus sehr bekannt und populär, auch wenn sie als schlichte Cover Band ihren Weg begann. Doch heißt es, dass sie schon damals mit einer so unglaublichen Lautstärke spielte, dass das Stromnetz des jeweiligen Auftrittsortes zusammenbrach. Ein Bass wie brodelnde Lava, Drums wie eine Horde Mammuts und eine schrille Gitarre, die dir in den dumpfen, simplen und eingängigen Bass-Melodien die Sinne raubt. Es ist geniale Musik, bestehend aus den chilligen Elementen von U.F.O. oder der Low Frequency In Stereo kombiniert mit den krachenden Rock’n’Roll Riffs von Black Sabbath. Natürlich fließt noch eine gehörige Portion japanischer Wahnsinn mit hinein, und das Werk steht. Der größte Knaller auf „For Demolition Of A Spiritual Framework“ ist für mich der 14-minütige Song ‚Rain’. Selten habe ich ein so harmonisches und abwechslungsreiches Lied gehört, in dem zwei synchron gespielte Gitarrensoli auftreten. Die typischen Flanger und Cry-Baby Effekte katapultieren den Hörer hinaus ins Weltall.

Wer meint zu dieser Musik, erschienen unter Fuenfundvierzig, noch bewusstseinserweiternde Drogen konsumieren zu müssen, der hat etwas falsch verstanden. Denn diese Musik ist eine bewusstseinserweiternde Droge. In diesem Sinne: Have a nice trip!

Tim Ruhl






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