Reviews

Morse, Neal
Life And Times

Label: Metal Blade (2018)

Er ist vermutlich einer der prominentesten Vorzeigeproggies der Welt, der es wie kaum ein anderer versteht, an die Beatles gemahnende Melodiebögen mit King Crimson-artigen Strukturen und Gentle Giant-esken Arrangements zu einer fast schon leicht verdaulichen Masse zu formen. Höher, weiter, schneller, vertrackter und komplexer scheinen die einzigen Impulse zu sein, an denen er sich sonst zu orientieren scheint. Aber ab und an, wirklich nur ab und an, da muss all diese überbordende Komplexität mit all ihren Ziaten und Querverweisen einfach einmal in den Keller gesperrt werden, und Neal Morse zeigt der Welt, wie er klingen würde, wenn seine Zielsetzungen in Richtung von James Taylor, Gordon Lightfoot oder Neil Young gehen würden. Mit "Life And Times" stellt er uns nun sein zweites Singer/ Songwriter Werk nach "Songs From November" (2014) vor.

Der kühle Intellektuelle ist hier emotional, direkt. Statt philosophisch-theologischer Diskurse offeriert er uns hier ganz unkryptisch einen Blick in seine Seele als Mensch, Vater, Ehemann und Musiker. Die Instrumentierungen sind eher reduziert, trotzdem auf den Punkt fokussiert. Sie erwecken keinesfalls das Gefühl, die Platte sei mal schnell am Lagerfeuer entstanden. Dafür sind die Details zu ausgereift und zu verspielt. 

Für jeden, der Neal Morse einmal komplett anders erleben möchte, ist "Life and Times" ein guter Einstieg. Ich werde mir die Platte sicherlich immer wieder gerne zur Hand nehmen und in ruhigen Momenten genießen.

Frank Scheuermann

8/10






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