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Noctourniquet

Label: Warner Music (2012)

The Mars Volta waren mit Sicherheit eine der spannendsten Bands der letzten Dekade. In manchmal schwer nachvollziehbaren Songs und klanglichen Experimenten, unter dem Einsatz ausgiebigster Improvisationen an Keyboards und Gitarre, vermischt mit edlen Zutaten aus Fusion, Meta, Progressive Rock und sogar Latin, zauberten die Innovatoren einen Cocktail, der bestimmt nicht bei allen gezündet hat, jedoch bei denen, die ihm einmal verfallen waren, ein belämmertes Grinsen aufs Gesicht gezaubert hat. Zu diesen Zeitgenossen darf man mich auch rechnen.

"Noctourniquet" ist genauso - und doch völlig anders. Durch ein sich heftig drehendes Besetzungskarrussell hat sich auch der Sound geändert. Die Improvisationen machen nicht mehr den Löwenanteil der Nummern (Songs beschreibt es ja nicht wirklich angemessen) aus und die Art der Klänge hat sich ein wenig verändert. So hat man sich der etwas kühleren Seite des Krautrock zugewandt, dazu ein Schuss waviger Klänge - und wie immer diese Mischung aus King Crimson-artiger Kommerzverweigerung und Robert Wyatt-scher Songstrukturaskese.

Die Mischung klingt so interessant wie verstörend. Nicht alle alten Fans werden den Weg mitgehen, nicht unbedingt viele neue werden gewonnen werden. Aber so ist das eben mit der künstlerischen Integrität!

Frank Scheuermann






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