Reviews

McGregor, Chris
Brotherhood Of Breath

Label: Repertoire (1971/2011)

Chris McGregor, der südafrikanische Komponist und Pianist, setzte nach überschaubaren Anfängen spätestens ab 1970 seinen Namen unlöschbar auf die Jazzlandkarte. Dabei waren es nicht nur seine musikalischen Verdienste, die ihn dorthin führten. In gleichem Maße waren es die damaligen politischen Verhältnisse in seinem Heimatland. Damals existierte dort noch die Apartheid, das Regime der radikalen Rassentrennung. Und wenn man in einer rassisch gemischten Band spielt bzw. sogar deren Leader ist, provoziert das Ärger mit den Behörden. Den hielt Chris McGregor lange Zeit aus, bis er dann 1970 nach London ging, um dort eine Freejazz Bigband aus der Taufe zu heben, die Brotherhood of Breath.

Mit deren Erstlingswerk fällt auch das Meisterwerk von Chris McGregor zusammen. Rhythmisch dicht und voller überraschender Improvisationen und kompakter Bläsersätze, besticht die Scheibe vor allem durch die Verquickung von afrikanischen Stammesmelodien mit europäisch-amerikanischen Jazzstrukturen. Das durchgehend pointierte Pianoospiel ist trotz einfacher Strukturen bis heute legendär. Die beteiligten Musiker lassen dabei auch gerne das eine oder andere Mal Dissonnanzen zu und verlangen dem Zuhörer einiges ab. Aber trotzdem lohnt sich das Zuhören. Später folgten noch andere Alben der Brotherhood of Breath, aber dieses Werk ist schlichterdings nicht zu toppen. Schade, dass der begnadete Jazzmusiker Chris McGregor bereits 1990, im Alter von 53 Jahren an Lungenkrebs gestorben ist. Dass diese CD jetzt über Repertoire bereits zum 6. oder 7. Mal aufgelegt worden ist, beweist meiner Meinung nach hinreichend die musiklaische Kraft der enthaltenen Musik. Ein Meilenstein des Jazz!

Frank Scheuermann