Reviews

McGuinn's Thunderbyrd, Roger
West Coast Legends Vol. 4 – Live im Rockpalast 1977

Label: Made in Germany (MIG) (1977/ 2010)

Als Roger McGuinn mit seiner damals aktuellen Band Thunderbyrd die Bühne der ersten Rockpalastnacht betrat, war Rory Gallagher gerade abgetreten. Der hatte die Show auf geradezu legendäre Art und Weise eröffnet, auch wenn bis heute ausgerechnet der göttliche Song 'Moonchild' auf geradezu barbarische Weise vom Eurovisionsjingle zerschnitten wird. Egal, das Publikum war vorgeglüht, als der ehemalige Chef der Byrds, der legendären Bob Dylan Jünger und Folkrocker, die Bühne betrat.

Und sein damaliger Mitstreiter, ein noch recht junger Rick Vito, der später u.a. durch seine Zusammenarbeit u.a. mit Fleetwood Mac (oder kürzlich mit Mick Fleetwoods Solo-Bluesband - Kritik hier vorhanden!) weltberühmt werden sollte, erweist sich fast schon als der heimliche Matchwinner dieses Auftritts. Zwar kann er einen Mick Ronson, der zuvor Roger McGuinns Gitarrenkollege und Produzent war nicht wirklich das Wasser reichen, was die Originalität und Wildheit des Gitarrenspiels angeht, aber er ist ein mehr als veritabler Saitenhexer und Verfechter aller Tugenden des amerikanischen Rootsrock.

Im Zentrum dieses musikalisch rundum gelungenen Auftritts stehen selbstverständlich die Songs aus der Zeit der Byrds. Daneben findet sich aber auch neueres Material, das damals gerade auf LP veröffentlicht werden sollte. Leider findet sich von seiner Jahrhundertplatte "Cardiff Rose" (1976) nicht ein Song. Ein besonderes Highlight ist bestimmt Sam Claytons Congaspiel bei 'Dixie Highway', dessen Band Little Feat an diesem Abend ebenfalls auf dem Billing stand. Warum sich der sonst so sessionbereite Rory Gallagher nicht mit auf die Bühne gesellt hat wird mir ewig ein Geheimnis bleiben.

Eine einzige Winzigkeit möchte ich noch kritisch anmerken: Roger McGuinn hampelt bei manchen Songs derart uncool vor der Kamera herum, dass man denkt, er sei gerade einem Playbackauftritt in einem 65er Beat Club entsprungen. Wie auch immer, dier Musik stimmt und das Gehample ist zu einem gewissen Teil auch Zeitkolorit. Ansonsten sähe er vermutlich mit seiner 12-saitigen Rickenbacker auch zu cool aus.

Frank Scheuermann






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