Reviews

Revelation

Label: Esoteric Recordings (1969/2009)

In der recht überschaubaren Rockgeschichte des britischen Staates Wales gibt es in meinen Augen zwei Formationen, die unser besonderes Augenmerk verdient haben: Budgie und Man. Die ersteren, weil sie Pioniere des rifflastigen Heavyrock waren (oder sind!), die letzteren, weil sie ihre ganz eigene Form des Jamrock gefunden haben.

Man haben schon immer ein wenig polarisiert: Für manche waren sie begnadete Improvisationskünstler, für andere nur ein billiger Grateful Dead Abklatsch. Ich tendiere eher zu der positiveren Ansicht. Es gab aber schon immer einen meilenweiten Unterschied zwischen Liveshows und den Studioalben der Man Band. Da macht auch "Revelation", die Erstlingsscheibe der Althippies keinen Unterschied. In weitgehend kompakt strukturierten Songs werden vor allem die Einflüsse des psychedelischen Westcoast Rock im Fahrwasser von (vor allem) Quicksilver Messenger Service oder Jefferson Airplane erkennbar, die allerdings durch den walisischen Fleischwolf gedreht werden. Daneben besticht diese Platte mit dem als Single ausgekoppelten 'Erotica', einer Beischlafhymne der besonderen Art. Und wenn man bedenkt, dass diese Nummer noch über ein Jahr vor 'Je T'Aime' auf den Markt gekommen ist, stellen sich Fragen nach Plagiatsvorwürfen höchstens in der umgekehrten Richtung.

"Revelation" bietet noch nicht ganz die Dichte der späteren Man-Werke ("Be Good To Yourself", "Rhinos, Winos & Lunatics", "The Welsh Connection"), weiß aber trotzdem zu überzeugen und ist eines der besten Beispiele europäischer Psychedelic Music.

Frank Scheuermann






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