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Lurking Fear

Label: AFM Records (2007)

Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich mir vor vielen Jahren das Mekong Delta-Album "The Music Of Erich Zann" ins Haus geholt und voller Vorfreude das schwarze Stück Plastik auf den Plattenteller geworfen habe. Danach stand ich kleiner Bengel dann erst mal wie der berühmte Ochse vorm Berg und konnte überhaupt nichts mit dem wirren Zeug anfangen. Resultat dieser ersten Begegnung: die Platte gegen kleines Geld wieder eingetauscht und den Namen Mekong Delta aus meinem Gehirn gestrichen. Keine Ahnung, wie sich ein normaler Mensch in jugendlichem Alter so was anhören kann!

Heute, knappe 19 Jahre später ist der Bengel von damals halbwegs erwachsen geworden und kann sich auch mit progressiverer Mucke als Iron Maiden, Manowar und Co. anfreunden. Mal gespannt, wie die zweite Begegnung mit den musikalischen Wirrköpfen (die zwischendurch immer wieder - wohl auch eingängigere - Alben veröffentlicht haben) dieses Mal verläuft. Eingängigkeit ist für die Band auch heute noch ein Fremdwort, obwohl man einen Song wie 'Immortal Hate' auch ohne ein musikalisches Diplom gut ertragen kann. Und mit 'Ratters' konnte man gar einen waschechten Hit erschaffen, der auch Fans von Anacrusis und Control Denied gut reinlaufen dürfte. Ansonsten könnte man die Musik recht treffend als eine wohldosierte Mischung aus Watchtower und experimentellen Voivod (zu "Dimension Hatröss"-Zeiten) bezeichnen. Somit dürften Prog-Fans, deren Meinung nach Dream Theater das Maß aller Dinge in diesem Bereich sind, sehr schnell Probleme mit dem Material bekommen.

Gitarrist Ralph Hubert hetzt wie in alten Zeiten von einem Tempo- und Arrangement-Wechsel zum nächsten und spielt die wirrsten Parts mit einer abartigen Leichtigkeit, während Drummer Uli Kusch (u.a. ex-Helloween, Ride The Sky) wieder einmal zeigt, daß er zu den besten Drummern des Landes gehört. Dazu passt die sirenenhafte Stimme von ex-Angel Dust / Scanner-Sänger Leo Szpigiel wie die berühmte Faust aufs Auge. Allerdings dürfte gerade sein Gesang (der von hoch bis zu Denis "Piggy" Belanger-mäßigen Vocals reicht) für den Großteil der Metalgemeinde sehr gewöhnungsbedürftig sein. Vielleicht hat man sich auch deshalb entschieden, die drei Instrumentalteile 'Allegro Furioso', 'Moderato' (mit Star Wars-Zitaten) und die Klassik-Neuinterpretation 'Allegro' auf die CD zu nehmen. Oder aber einfach nur, weil die drei Dinger zu den geilsten Instrumentals gehören, die man seit langem hören konnte.

Der einzige Streitpunkt dieser ansonsten wirklich tollen Platte ist der Sound, der ruhig etwas druckvoller hätte ausfallen dürfen und leider etwas altbacken wirkt. Ansonsten haben Mekong Delta mit "Lurking Fear" alles richtig gemacht und schaffen es tatsächlich, mich zu bekehren. Dafür Respekt!

Michael Meyer






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