Reviews

Lang, Jonny
Fight For My Soul

Label: Mascot (2013)

Mit unglaublichen 14 Jahren brachte Jonny Lang gegen Ende der 90er Jahre seine erste Platte auf den Markt. Sein Markenzeichen waren eine schon sensationell klingende Stimme und eine aggressive, aber stets einfühlsame, schneidende Bluesgitarre und faszinierend virtuose Gitarrensoli.

Nun kehrt der ehemalige Hoffnungsträger nach sieben Jahren ohne neue Veröffentlichung zurück. Privat ist so einiges passiert, so wurde der immer noch junge Musiker zwischenzeitlich Vater. Diese privaten Veränderungen sind nicht ohne Auswirkung auf seine Musik geblieben. Dort, wo einst mächtig Bluesrocker, die ganz schön unter Dampf standen, ihren Platz hatten, findet sich auf "Fight For My Soul" plötzlich getragener Soulpop. Seine Stimme kommt dadurch noch besser zur Geltung als mit einer lauten Begleitband. Aber sein anderes Markenzeichen, die schneidende Leadgitarre, ist fast über die ganze Distanz bestenfalls zu erahnen. Und wenn er dann einmal zu einem Solo ansetzt, dann ist es schon vorbei, bevor es richtig begonnen hat. Am ehesten hat noch der Opener "Blew Up The House" mit seinem bisherigen Werk zu tun. Der Rest bewegt sich in balladeskem Gebiet oder bedient Freunde von softem Soul mit leichtem Funkeinschlag.

Nun sind künstlerische Entwicklungen zwar grundsätzlich zu begrüßen und als Fan von Labels wie Motown oder Stax habe ich nichts gegen eine ordentliche Prise Soul einzuwenden. Aber: Bei "Fight For My Soul" klingt die ganze Produktion merkwürdig steril und klinisch. Ganz so, als würde Jonny Lang versuchen, sich ein pubertierendes R&B Publikum als Fankreis zu erschließen. Und da wird es heikel. Ich weiß nicht, ob ihm das gelingen wird und seine alten Fans riskiert er damit zu verlieren. Als Experiment ist das okay, aber auf Dauer wird er sich damit auch keinen Gefallen tun, selbst wenn es handwerklich gut gemacht ist, wie zum Beispiel der Phil Spector-mäßige Wall of Sound bei "Seasons".

Mutig, aber nur sehr bedingt überzeugend. Auf Tour sollten ihm seine Fans sehr deutlich zeigen, was sie wirklich von ihm hören wollen.

Frank Scheuermann

6/10






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