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Hau Ruck

Label: Al!ve (2005)

Neben Ministry hat wohl keine andere Band den Industrial so geprägt wie KMFDM. Gegründet 1984 machte man sich daran den Untergrund unsicher zu machen. Das Demoband „Opium“ verbreitete sich rasend schnell in der Szene und so brachte man sein Debüt „What Do You Know Deutschland?“ zwei Jahre später, nachdem man seine Basis nach Chicago verlegt hatte, da Hamburg nicht allzu geeignet war um etwas Großes in der Industrial Szene zu erreichen. Es folgte eine Tour mit Ministry, die der Band zum Aufschwung verhalf. 1999 kam dann der Bruch und die Band löste sich mit dem Album „Adios“ auf. Doch die Musiker konnten nicht ohne KMFDM, weshalb man 2002 mit „Attak“ zurückkam. Nun kommt Album Nummer Drei nach der Reunion, die auf den Titel „Hau Ruck“ hört.

„Ladies and Gentlemen, Hau Ruck“ ist die erste Zeile die aus den Lautsprechern dringt bevor ‚Free Your Hate’ im industriellen Sound davonstampft. Es kommt ordentlich Druck aus den Boxen, was man angesichts des Titels auch erwarten kann. Weiter geht es mit dem Titeltrack ‚Hau Ruck’, welcher über deutsche Vocals verfügt. Textlich scheint die Truppe um Sascha Konietzko die schlechte Wirtschaftslage Deutschlands anpacken zu wollen in dem er fordert den Karren mit einem Hau Ruck aus dem Dreck zu ziehn. Musikalisch wird das ganze durch fette Gitarrenriffs und den typischen Industrieklang unterstützt, der trotzdem nie langweilig wird (wie es manchmal bei Ministry vorkommt). Der weibliche Gesang von Lucia Cifarelli kommt danach endlich zum Einsatz, wobei es erst beim sozialkritischen ‚New American Century’ richtig interessant wird. Das man diese Kritik nicht nur textlich, sondern ebenfalls mit musikalischen Hilfsmitteln ausdrücken kann, zeigt der Einbau vom Anfang von „The Star Spangled Banner“ der ironischerweise mit marschierenden Soldatenstiefeln hinterlegt ist. Nicht immer geht es stampfend, laut und richtig angenehm zu denn da gibt es noch die andere, weichere und zwanghaft kreative Seite, wie sie z.B. ‚The Real Thing’ vertritt. Man wird dabei an Apoptygma Berzerk erinnert, die dieses Jahr ihren Sell-Out vollzogen haben und vollends Richtung Charts abgezogen sind. Bei KMFDM ist das etwas anderes, denn die Jungs schielen nicht auf Platzierungen in irgendwelchen Listen, sondern versuchen sich musikalisch auszudrücken.

Insgesamt gesehen hat die Truppe den Industrial Rock nicht neu erfunden, aber doch ein sehr kreatives, wenn auch manchmal weichgespültes, Stück Musikkultur abgeliefert. Die Zahl der harten Songs überwiegt, was selbst einem nicht industrial Fan wie mir Spaß macht: Unbedingt reinhören!

Winfried Bulach






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