Reviews

Between Heaven And Hell

Label: Revisited (1978/2009)

Wenn es bei der Dikussion der deutschen Rockmusik der 70er Jahre geht, fällt unmittelbar der zunächst als Schmähbegriff gedachte Ausdruck Krautrock. Genauso sicher ist, dass verschiedene Bandnamen auftauchen: Guru Guru, Can, Amon Düül II oder Birthcontrol. Und ebenso sicher ist, dass sich bei der Nennung des Namens Jane die Geister scheiden werden. Die einen werden mit der Zunge schnalzen, da diese Band als eine der wenigen deutschen Truppen der Übermacht britischer und amerikanischer Hardrockbands zu trotzen wusste. Und die anderen werden sich über das schlechte Schulenglisch der verschiedenen Sänger ereifern und die zuweilen pathetischen Plattenkonzepte ins Lächerliche zu ziehen versuchen. "Between Heaven And Hell" war eine der umstrittenen Schallplatten, die nun endlich remastert aber ohne Bonusmaterial erneut das Licht der Welt erblicken. Ganz ähnlich wie die Scheibe "Fire, Water, Earth And Air" wird diese Platte von einem überlangen Stück beherrscht, das mit knapp zwanzig Minuten alle Dimensionen sprengen möchte und im Vinylzeitalter eine gesamte Schallplattenseite eingenommen hat. Die Musik ist strukturell manchen anderen längeren Epen der progressiven Ära nicht unähnlich, kommt aber deutlich einfacher gestrickt rüber. Dabei überzeugt vor allem die atmosphärische Dichte der Komposition, die sich Zeit nimmt, um Entwicklungen auf den Weg zu bringen und Stimmungen aufzubauen. Dabei spielt der eigenwillige Gitarrist Klaus Hess eine tragende Rolle, da er es vermag, an David Gilmour erinnernde Melodiebögen zu gestalten.

Auch die anderen drei Stücke sind abgesehen vom abschließenden 'Your Circle' allesamt im etwas längeren Bereich angesiedelt und bieten zeittypische Progressivekost mit schöner Instrumentalarbeit. Wer den Gesang von Jane noch nie mochte, der wird auch diese Platte ablehnen, aber jeder, der auf hervorragende Musik der 70er steht, kommt bei "Between Heaven And Hell" voll auf seine Kosten. Hoffentlich folgen bald noch solch geniale Scheiben wie "Sign No. 9" und "Germania" (fast schon Heavy Metal - kein Wunder Anfang der 80er Jahre im Fahrwasser der Scorpions und der NWoBHM...) als Reissue und mein Herz pocht zum Hals heraus!

Frank Scheuermann






Musicload