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Stage

Label: InsideOut (2006)

Mit "Stage" legen die britischen Nobel-Prog-Rocker von IQ ihre nunmehr zweite Live-DVD pünktlich zum Weihnachtsgeschäft auf den Gabentisch. Die letzte derartige Veröffentlichung enthielt mit dem Komplettmitschnitt des legendären "Subterranea"-Konzeptes aus dem berühmten 013 in Tilburg, Holland, noch eine durchgehende Handlung. Auch wenn im Jahre 2006 der Untertitel der Doppel DVD "Dark Matter Live In America And Germany 2006" lautet, so ist die Songauswahl nicht auf den letzten Studiooutput der begnadeten Formation beschränkt, sondern die Auswahl der Tracks will eher als eine Art "Best Of..." verstanden werden.

Die Doppel DVD bietet - abgesehen von wenig spektakulären Extras - vor allem zwei Konzerte der Briten: zum Ersten wäre da der diesjährige Auftritt beim Nearfest, jener sensationellen Progveranstaltung in Bethlehem, Pennsylvania, bei der schon die Einladung einem Ritterschlag gleichkommt. Zum Anderen ist da das Konzert vom deutschen Burg Herzberg Festival, dieser paneuropäischen Althippiesammelstelle, die Teilnehmer geradezu auf eine Zeitreise in die späten 60er und frühen 70er schickt.

Betrachtet man die beiden Konzerte, die nur eine Woche auseinander lagen, so drängt sich der Verdacht auf, dass die Show in den USA etwas frischer rüberkommt. Das mag auch an den äußeren Umständen liegen, da eine Lightshow im Dunkeln besser wirkt als in der Dämmerung.

Fans der Band kommen trotz der fast identischen Setlist bei beiden Shows durchaus auf ihre Kosten, da die Songauswahl die größten Klassiker in einem gelungenen Querschnitt bietet. Dabei ist es wohl der Spieldauer geschuldet, dass von unverzichtbaren Juwelen wie 'The Narrow Margin' oder 'The Last Human Gateway' jeweils nur Exzerpte zu Gehör gebracht werden.

Die optische Performance der Band ist wie bei vielen Proggern eher hölzern, das weiß man ja, sogar wenn sich Peter Nicholls auch im Jahre 2006 immer noch zuweilen mit Peter Gabriel zu verwechseln scheint. Das tut der Freude beim Verfolgen der DVD jedoch keinen Abbruch, erhält man doch selten genug die Gelegenheit, echten Musikern bei der Arbeit zuzusehen. Und wer mehr Wert auf die Show als auf die Musik legt, darf sich auch weiterhin auf die nächste Staffel von "Popstars" freuen. Ich hingegen schaue mir dann doch lieber Familienväter beim Zelebrieren von toller Musik an!

Frank Scheuermann