Stories

Oktober 2001

Die Human Hamster Hybrids beantworteten unsere Fragen folgendermaßen...

Kannst du uns die Bandhistory in kurzen Worten schildern? Und wie ist denn der Bandname entstanden?

Tja, das war damals noch während unserer Uni-Karriere, 1995 war das wohl: Dr. Bacterius - unser Gitarrist - und ich kannten uns bereits und waren damals beide auf der Suche nach einem neuen Projekt. Ich hatte meine Ursprünge ohnehin im Punkrock der 80'er Jahre und so kamen wir auf die tolle Idee, die beste Ramones-Coverband der Welt gründen zu wollen. Per Kleinanzeige stießen wir ziemlich bald auf die beiden anderen Gründungs-Hamster, El Duce (Bass) und P.K. Ripper (Schlagzeug). Es war im Prinzip für alle eben ein klassisches Side-Projekt. Was soll ich sagen - schon bei den ersten Proben stellte sich heraus, dass das mit den Ramones zwar schön und gut war, wir aber mit eigenen Sachen, die immer so nebenbei mitentwickelt wurden, noch besser klangen. Da war es eben nur nahe liegend zu sagen: Lasst uns das richtig machen! Was noch fehlte, war der Name - und der stammte damals von Bacterius und mir und unserem gemeinsamen Biologie-Studium. Da gibt es in der Humangenetik ein bestimmtes Verfahren, nach dem menschliche und Hamster-Zellen im kleinen Maßstab fusionieren und das es letztendlich erlaubt zu erkennen, welche Chromosomen für was zuständig sind. Diese verschmolzenen Zellen heißen dann eben "Human Hamster Hybrids" und das stand riesengroß auf einem Plakat in unserem Labor. Wir fanden's cool und tauften unsere Band danach. Aber frag lieber nicht welche Varianten davon wir schon erleben mussten, sei es ausgesprochen oder gedruckt. Es ist eben nicht gerade der einfachste Name...

Wie kam es, dass Ihr euch entschlossen habt zwei Bläser in die Band aufzunehmen? Seid ihr schon immer auf der Ska Schiene gefahren?

Schon auf einem frühen Demoband hatten wir ein erstes "Skastück" drauf, wobei man immer sagen muss, mit echtem, klassischen Ska können und wollen wir uns gar nicht messen. Das sind auch gar nicht unsere Einflüsse, denn wir sind in erster Linie Pop-Punks und nehmen da eben einfach Elemente auf. Auch die Art, wie wir die Gebläsesounds integrieren, beschränkt sich eben nicht auf die Skastücke oder -parts. Gerade bei unseren jüngeren Sachen wird das glaube ich sehr deutlich. Die Idee für echten Bläsereinsatz kam erst vor 3 Jahren im Studio bei den Aufnahmen zu einer Promo-CD. Wir wollten ein Stück aufnehmen, bei dem El Duce - unser Basser - unbedingt Bläsersounds dabei haben wollte. Wir haben es mit gesampelten Sachen probiert, was aber nicht wirklich gut war. Also hat El Duce selbst sich seiner Zeit im Posaunenchor erinnert und selbst ein paar Trompetenspuren eingeblasen. Pur klang es zwar noch wie Live From Nürnberger Christkindlsmarkt aber im Resultat hat es uns dann echt umgehauen! Ab diesem Zeitpunkt waren wir auf der Suche nach einer eigenen "Bläser-Sektion" und haben seit 2000 Smithers (Trompete) und Hubert P. (Posaune) dabei - zwei Wahnsinnstypen, die man sich live echt mal reinziehen muss!

Welche Bands haben euch beeinflusst und beeinflussen euch noch heute?

Ja, da hat wohl jeder von uns seine eigene Geschichte zu erzählen. Prinzipiell - und altersbedingt - kommt natürlich bei uns allen ein großer Einfluss aus der populären Musik der 80'er Jahre. Für den einen vielleicht eher was richtig Poppiges, beim anderen etwas Metal, beim nächsten wieder Deutsch-Punk. Ich zum Beispiel hab' mich damals an Walter Elf und eben den Ramones genauso tot gehört wie an Depeche Mode. Und irgendwann kannst Du einfach nicht mehr sagen, was deinen Musikgeschmack und -stil im Einzelnen geprägt hat. Wir sind da glaube ich alle relativ offen, was man auch daran sieht, dass jeder von uns schon mal in irgendwelchen Bands komplett anderer Stilrichtungen gespielt hat und es zum Teil heute noch tut. Was die jüngere Vergangenheit anbetrifft, gibt es natürlich wieder mehr zu sagen. Zuletzt gab es einige Bands und Künstler, die beeindruckende Sachen abgeliefert haben (egal ob sie jetzt ihre Stilrichtung dabei "neu erfunden" haben oder nicht!): Ash, Weezer, Blink 182, Mad Caddies, Marylin Manson, Goldfinger, Seeed, Nerf Herder, Skin Of Tears, Samiam, Zebrahead, Green Day, Edna's Goldfish etc. etc.

Wie habt ihr zur Musik gefunden? Welche Kraft treibt euch, um damit fort zu fahren?

Schwierige Frage! Wie kommt man zur Musik? Entweder man bekommt irgendwann mal ein Instrument elternseitig "verordnet" oder man quengelt so lange bis man eines bekommt, das man im Fernseher so toll fand. In beiden Fällen muss aber eines noch dazu kommen: Der innere Drang sich damit langfristig auseinander zusetzten, also quasi einen echten "Sinn" darin zu sehen, dieses Instrument zu spielen. In meinem Fall war es so: Mit 8 Jahren durfte ich mir ein Instrument wünschen und hab dabei glücklicherweise auf die Gitarre getippt. Und was ist passiert? Ich hatte von da an jahrelang Unterricht in klassischer Gitarre. Es war zwar schön diese klassischen Sachen mit den eigenen Fingern zu produzieren, aber es hat keinen echten Drang in mir geweckt. Als ich dann aber mit 14 Jahren zur E-Gitarre kam, erschloss sich mir eine völlig andere Welt. Irgendwie hatte ich meine Art gefunden mich auszudrücken und mich darzustellen. Und wenn man genau das, wie es bei der Musik ist, auch sogar noch vor Publikum tun kann, erhöht das den Reiz natürlich enorm. Und so ist es wohl immer noch und vermutlich bei allen Musikern, die sich die Wochenenden etc. auf der Autobahn und in den kleinen Läden für kaum Kohle herumschlagen und ihre Musik zeigen. Es ist wohl kaum nur die Hoffnung dabei ganz groß raus zu kommen.

Wie entstehen eure Texte? Sind das Lebenserfahrungen, politische Statements oder solche Sachen?

Die Texte kommen momentan meist von mir. Ich versuche prinzipiell, einfache Zusammenhänge auszudrücken. Es bringt in meinen Augen nichts, in 2 oder 3 Strophen und einem Refrain riesige Themen anzusingen, wenn man sie nicht adäquat behandeln kann - das ist vielleicht eher eine Aufgabe der Literatur. Daher sind unsere Texte vielleicht eher beobachtende Statements aus dem näheren Umfeld. Ehrlicherweise muss ich aber auch sagen, dass Texten für mich echte Arbeit ist - ich bin eben kein Schriftsteller. Mit dem musikalischen Ausdruck bzw. Songwriting geht es da doch oft bedeutend einfacher.

Macht ihr euch eigentlich Gedanken darüber was die Leute hören wollen und richtet ihr euer Songwriting danach oder spielt Ihr einfach das was Euch gefällt?

Natürlich spielen wir das was uns gefällt. Wobei man bei 6 Leuten in der Band schon einigen Kompromisse ausgesetzt ist - wer selbst Musik macht wird das kennen. Auf der anderen Seite kann man sich auch als 'Selbst-Musiker' persönlich nie ganz frei machen von allgemeinen Trends. Es ändert sich die Welt um dich und Du eben auch ein kleines Stück mit, vielleicht sogar ohne es zu merken. Aber ausschließlich nach dem Publikum richtet sich denke ich kaum jemand, der seine eigene Musik ernst nimmt. Es sind eher die immer wechselnden Einflüsse, die das Songwriting verändern.

Hat sich der Songwriting Prozess in den letzten Jahren bei euch verändert?

Eigentlich kaum. Es gibt nach wie vor Stücke, die zu 90% bei einem von uns zu Hause auf 4-Spur entstehen, aber auch solche, die ausgehend von einer minimalen Idee komplett im Proberaum entwickelt werden. Aber Mitspracherecht gab und gibt es eigentlich immer und für jeden, was zugegebenermaßen öfters mal zu Diskussionen - auch der unangenehmeren Art - führen kann... Vielleicht hat sich eines verändert, wenn man für Bläser schreibt, muss man mit dem Gesang vorsichtiger umgehen und mehr nacharbeiten bis ein Stück richtig funktioniert. Das ist oft nicht einfach, man kann auf der anderen Seite aber auch sehr schön damit arrangieren.

Steht euer neuestes Album unter irgendeinem bestimmten Thema? Klar "Dance Classics", coole Songs zum abfeiern und tanzen, aber steht da noch mehr dahinter?

Klar, zum einen passt der Titel natürlich sprechend zum Sound der aktuellen CD. Zum anderen steht er auch ein bisschen für die heimliche Wandlung der Band von der Punkband von 1995 hin zum "Konzept" Pop-Punk mit Partyfaktor. Speziell seit wir die Bläser mit an Bord hatten, sind viele Konzerte besser gelaufen, wir hatten die besseren Songs, die Leute sind plötzlich bedeutend besser darauf eingestiegen und wir haben uns natürlich darüber gefreut! So hielt innerhalb der Band der Ausdruck „Dance Classics" für die tanzbaren Stücke in unserem Programm Einzug - noch lange bevor die CD aufgenommen war.

Warum habt ihr 'Mamma Mia' als Cover auf die Scheibe genommen? Seid ihr auch der Meinung, dass enorm viele Songs aus den 60ern bis hin zu den 80ern gut als Ska Cover geeignet sind? Welche Cover habt ihr sonst noch so auf Lager?

Es gehörte seit der Hamster-Geburt eigentlich immer schon zum Konzept Songs zu covern. Aber eben nicht irgendwelche, sondern solche, die uns auch schon im Original gefallen hatten - so unglaublich das manchmal klingen mag. Es kann Dich nämlich durchaus auch mal ein Song aus einer Stilrichtung anspringen, die du sonst nicht gerade pflegst. Das geht uns eigentlich allen in der Band so. Und so nehmen wir eben ab und zu ein solches Stück und interpretieren es neu - es muss aber nicht unbedingt ein Ska werden. Songs speziell aus den 80'er bieten sich da oft an, weil sie meist die besseren Melodien und das bessere Songwriting haben. Neben 'Mamma Mia' haben wir ja auch 'Chequered Love' von Kim Wilde auf dem neuen Album und spielen auch live einige Covers je nach Laune, z.B. 'Tainted Love' von Soft Cell oder Stücke von Kraftwerk, den Bangles, George Michael oder Boney M (!).

Welche Erwartungen habt ihr für das Album "Dance Classics" (Wie glaubt Ihr kommt es an/ Ist das Material Live-fähig/ usw.)? Macht ihr euch Gedanken darüber?

Wir hoffen natürlich, dass "Dance Classics" bestens ankommt und sind jetzt dabei, das Album auch live verstärkt zu promoten. Wobei wir, wenn es um die Eignung des Materials für Live-Einsätze geht, eigentlich weniger Bedenken haben, denn wir haben ja schon genug positive Erfahrungen mit den allermeisten Stücken gemacht. Natürlich machen wir uns daneben auch Gedanken über Kritiken und Reviews. Aber auf hoher See und auf dem Musikmarkt bist Du eben in Gottes Hand! Ich will damit sagen, dass, egal wie sorgfältig Du Deine Songs schreibst und wie viel Arbeit Du investierst, immer einer kommen kann und schreibt: "Schon tausendmal gehört, schlechte Mischung aus abc und xyz und überhaupt ist das Layout scheiße" - selbst wenn Du von abc und xyz noch nie gehört hast! Dagegen musst Du einfach gewappnet sein!

Wie seht Ihr die Situation der deutschen Bands, denn sie stehen alle im Schatten der "großen" Bands aus den Staaten (zumindest im Punkbereich)? Wie wollt Ihr Euch im nationalen Geschäft durchsetzten?

Naja, was bleibt übrig als sich live zu zeigen. Und selbst da ist man bei uns schwer auf die "Großen" angewiesen: Wer würde nicht gerne als Support für Green Day etc. vor ein paar tausend Leuten spielen? Abgesehen davon muss man auch ganz klar der hiesigen Industrie den Vorwurf machen, sich eben lieber an ein internationales (sprich amerikanisches) "Produkt" dranzuhängen als etwas aus Deutschland selbst zu bringen. Was daraus erwächst sind eben die Art von Vergleichen wie ich so schon erwähnt habe: Du wirst als Kopie irgendeiner Ami-Band hingestellt, von der Du im Leben noch nichts gehört hast, nur weil man eben unterstellt, dass alles und jedes gerade im Punk- und Alternative-Bereich ja nur von daher kommen kann. Und genau das wird halt auch dem Zuhörer ständig suggeriert: Hast Du z.B. mal gezählt wie viele einheimische Bands auf den großen deutschen Livefestivals dieses Jahres überhaupt noch dabei waren?

Wie sieht die Zukunft aus? Irgendwelche Touren geplant oder neues Songmaterial?

Im Moment sind immer mal wieder kleinere Touren dabei, genaueres kann man jederzeit auf unserer Website (www.human-hamster-hybrids.de) nachlesen. Was das neue Material anbetrifft, sind wir natürlich ständig am Werken und Probieren. Eines ist natürlich klar: Es werden jede Menge Bläsersounds dabei sein, aber auch ein paar überraschende Sachen. Das Schöne ist, dass wir die neuen Songs eigentlich immer gleich mal auf dem einen oder anderen Gig testen können. Ein Song, der im Proberaum gut kommt, muss nicht zwangsläufig auch live funktionieren, auch wenn wir manchmal selbst nicht so genau wissen woran das liegt...

Zum Schluss noch eine Message an eure Fans?

Geht in Live-Konzerte, schaut Euch auch mal wieder die neuen Bands in den kleinen Clubs an, denn schließlich gibt es auch Livemusik abseits von Rock Am Ring. Es existieren tolle Bands, die sicherlich nie in irgendwelchen Charts auftauchen werden und sich trotzdem jeden Abend die Seele aus dem Leib spielen. Und ganz wichtig: Lasst Euch von keinem Hype beeinflussen - höchstens von den Hybrids!

Nils Manegold