Stories

Juli 2002

Ein sichtlich müder Dave Smalley, Songwriter, Sänger und Gitarrist von Down By Law war nach dem Konzert in der Wiesbadener Räucherkammer so freundlich und beantwortete einige unserer Fragen...

Hi Dave, wie läuft die Tour?

Eine lange Tour von sechs Wochen neigt sich dem Ende zu. Wir sind zwar alle ein bisschen müde, aber es läuft sehr gut. Wir sind Musiker und Künstler und nachdem der Motor warm gelaufen ist, wollen wir den Fans eine richtig gute und ausgelassene Show präsentieren.

Das ist euch heute Abend ja eindrucksvoll gelungen. Gibt es denn einen auffälligen Unterschied zwischen den Shows in Europa und den Gigs in den Staaten?

Die Architektur der Clubs ist ganz anders, aber die Fans sind überall gleich gut drauf. Unser Publikum ist sehr loyal, egal wo wir spielen, es versammeln sich immer Skateboarder, Rock'n'Rollers und College Kids bei unseren Auftritten. Ich glaube nicht, dass es da einen so auffälligen Unterschied gibt.

Oft hört man ja, dass die Fans hier in Deutschland ziemlich durchgeknallt sind, ist das auch dein Eindruck?

Ja, die Leute hier in Deutschland sind wirklich crazy und gehen mehr aus sich raus wie irgendwo anders auf der Welt, aber ich denke das hat ja nichts mit gutem Musikfan zu tun, nur weil die anderen Leute nicht so 'ausrasten' sind sie keineswegs schlechtere Fans.

Was steht hinter dem Namen Down By Law und was bedeutet es für dich?

Down By Law steht dafür, dass wir uns selbst finden bzw. uns mit den Fans zusammen entwickeln, in Bezug auf einen unabhängigen Lebensstil. Es ist völlig egal wie viele Tattoos man hat, ob man arbeitet oder nicht oder ob man grüne oder rote Haare hat, es kommt einzig und allein darauf an was man im Herzen fühlt. Wir sind genau wie jeder andere Mensch, wir spielen nur Musik in einer Band zusammen und haben so die Möglichkeit mehr Leute zu erreichen. Als Fazit kann man sagen: Habt Spaß, aber mach dir auch Gedanken über das Leben.

Wann und warum hast du dich entschieden Musik zu machen?

Nun das ist eine gute und schwere Frage. Es begann alles als ich ein kleiner Junge war und im Kirchenchor gesungen habe. Später in der High School habe ich zugesehen, dass ich auch dort die Möglichkeit habe zu singen, dies tat ich jahrelang bei den schulischen Aufführen, als Mitglied eines Musicals. Also all diese ersten Gehversuche in der Branche haben mich glaub ich auf den Weg gebracht, den ich bzw. wir heute bestreiten. Wir sind alle aus einem bestimmten Grund auf der Erde und den gilt es herauszufinden, das ist ein Zitat aus dem Film 'City Slickers' und der trifft eigentlich den Nagel auf den Kopf. Ich denke im Musik-Biz hat man eine gute Plattform, auch wenn die Leute im Punkrock-Geschäft dies oftmals nicht realisieren, das Musik eine Art Kunst ist, genauso wie Maler oder Schriftsteller Formen der Kunst sind. Okay es reicht als Songwriter und Sänger nicht aus 4 Akkorde zu spielen, es ist zwar in Ordnung, aber das allein macht Musik nicht zur Kunst.

Nach mehr als 12 Jahren im Geschäft, was hält dich bei der Stange?

Ja, eine verdammt lange Zeit! Es ist definitiv die Lust am Musikmachen, denn wenn wir keinen Spaß hätten, wäre es ein schwerer Job, den man wohl oder übel erledigen muss. William zum Beispiel wollte schon immer ein Rock'n'Roll-Gitarrist werden und er erledigt seinen Job mit Hingabe. Es wird wohl irgendwann der Tag kommen an dem ich die Gitarre zur Seite lege. Wenn ich beispielsweise ein längere Zeit zu Hause in Virginia bin, ein wirklich schönes Fleckchen Erde, dann arbeite ich für eine Zeitung und schreib ein paar Artikel. Dort werde ich dann wohl irgendwann meine Karriere beenden. Wer weiß vielleicht schon nach der nächsten Tour.

Welche Bands aus dem alltäglichen Geschäft sagen dir zu?

Ich mag Popmusik genauso wie Punkrockbands wie All. DIO machen einen hervorragenden Job. Und besser als die Beach Boys geht es wohl kaum, die machen mehr als nur Musik. Aber zurzeit höre ich gerne Oasis.

Du bist ja jetzt schon eine ganze Weile im Geschäft, sind dir merkliche Änderungen im Musik- bzw. Punk-Geschäft aufgefallen?

Ich bin ja schon länger als die vorhin erwähnten 12 Jahre im Geschäft. Habe mit Dag Nasty, All, Down By Law, etc gespielt und bin ziemlich viel herumgekommen und im Geschäft bin ich nur wegen meiner Liebe zur Musik. Die Leute von den Major-Labels sind nicht so mein Fall, denn dort ist irgendwie alles aufgetragen und oberflächlich, die sind eben nur auf den Profit aus und interessieren sich kein Stück für deine Interessen. Deswegen mag ich Label wie Epitaph oder Fat, bei denen geht's richtig familiär zu. Bei Revelation rennen lauter lustige Leute herum, die alles für dich tun, weil sie an dich und das Label glauben.

Bist du zufrieden mit der Auswahl der Songs (die Fans haben abgestimmt) für euer Best-Of Album "Punkrockdays" oder hättest du andere Songs genommen?

Ich bin mit fast allem zufrieden, ja. Die Fans haben ein paar Songs ausgewählt, die ich nicht unbedingt auf die Scheibe gebracht hätte und dafür haben sie einige Songs nicht gewählt, die ich gerne auf dem Album gesehen hätte. Das Resultat kann sich nichts desto trotz sehen lassen. Was mir daran gefällt ist dass es eine CD von Fans für Fans ist. Außerdem haben wir noch zwei Videos draufgepackt, eigentlich sollten es mehr werden, aber es war halt kein Platz mehr für die anderen Videos, die wir noch haben. Es war eine Art Experiment für uns mit dem wir mehr als zufrieden sind.

Nun kommen wir zu ein paar Songs, bitte dein Kommentar:

'Independence Day'

Diesen Song hab ich geschrieben als ich noch in Boston lebte. Während einer Punkrock-Show gab es einen Aufstand, gewissermaßen David gegen Goliath, denn die großen Punks vermöbelten, wie bis dato immer, die College Kids. Doch diesmal schlugen sie zurück und verschafften sich Respekt. Es war irgendwie ein cooler Moment, denn seit diesem Zeitpunkt gab es keine Keilereien zwischen jung und alt mehr und man rückte zusammen. 'Broken bottles, broken bones and the night was thru' eine wahre Geschichte.

'Radio Ragga'

Ich mag diesen Song. Ich bin zwar nicht der große Skacore Fan, aber ich liebe Bands die Punkrock mit Reggae verbinden wie The Clash zum Beispiel. Was ich an 'Radio Ragga' so mag ist, dass wir es geschafft haben Reggae in den Song einfließen zu lassen, aber trotzdem ist der Song ein typischer Down By Law Song geblieben. Da gibt's aber noch einen anderen Song auf dem "Last Of The Sharpshooter"-Album... (Dave singt ein paar Zeilen von dem ihm nicht bekannten Song)

'Urban Napalm'

Ja genau 'Urban Napalm'. Ich mag diesen Song auch gern, aber für ein Konzert langt ein Song dieser Sorte. 'Urban Napalm' entstand im Übrigen nach einem The Jam Konzert. Ich war sehr traurig als der Gig vorüber war und wollte mir ein bisschen von ihnen behalten, deswegen hab ich den Song noch am selben Abend geschrieben.

'Burning Heart'

Das ist ein ruhiger Song, von dem ich überrascht war das er es aufs Best Of Album geschafft hat. Er handelt von Einsamkeit und wie man daraus wieder auf den richtigen Weg kommt. Eine traurige Geschichte eben.

'Nothing Good On The Radio'

Der traurigste und wahrste Song der ganzen Welt. (lacht) Wie du sicherlich weißt ist das Radio prinzipiell schlecht für kleinere Bands. In Amerika gibt's eine ganze Menge College Radios, die unabhängig von den Großen senden. Diese Stationen machen einen guten Job, denn es sind junge Leute, die spielen das, was sie wollen und nicht das, was sie auf Grund der Label spielen müssen, wie es bei den großen Sendern ja der Fall ist. Das College Radio ist sehr hilfreich für kleinere Bands, weil sie dort eher oder weniger beachtet werden. Major-Radio, Kooperation, furchtbar, Bullshit, um das mal in kurzen Worten auszudrücken. Wegen diesen Leuten werden die Songs populär, weil sie die gewünschten Song Tag und Nacht spielen und sozusagen dem Hörer aufzwingen.

Euer letztes Album "Fly The Flag" klang recht experimentell, warum?

Sam und ich hatten viele Ideen und wollten auch alle auf ein Album bringen, das Resultat war dann "Fly The Flag". Für die Fans war es sicherlich kein Highlight, aber für uns war es einfach mal was anderes, ein bisschen Abwechslung sozusagen.

Warum spielt ihr während eurer Auftritte immer zwei bis drei Coversongs?

Nun ja, wir würden gerne noch mehr spielen, aber Milo hat was dagegen. Es sind halt die Songs, die eigentlich alle Fans mitsingen können und bei denen ein ganz bestimmtes Gefühl aufkommt. Die Kunst ein Cover zu spielen besteht allerdings darin, eine bekannte Band zu nehmen und ein unbekannteres Lied von dieser Band zu spielen.

Was können wir vom neuen Dag Nasty Album erwarten?

Ich sag nur soviel, das wird das beste Punkrock-Album, an dem ich mitgearbeitet habe. Anhören müsst ihr das schon selbst.

So nun hast du noch Zeit ein paar Worte an die Fans zu richten...

Bleibt wie ihr seid und lebt euer Leben so wie ihr es für richtig haltet.

Danke für die aufschlussreichen Antworten und viel Glück beim Release von Dag Nasty.

Nils Manegold