Stories

November 2005

Corporation187 haben zum zweiten Mal zugeschlagen mit ihrem neuen Kracher "Perfection In Pain", Sänger Filip Carlsson rief mich an, um mit mir über das Teil zu reden. Da wir beide, durch Erkältung geschwächt, nicht klar reden konnten, bitte ich euch dieses Gespräch mit einem sehr netten, informativen Partner mit tiefen, grölenden Stimmen zu lesen...

Euer neues Album heißt "Perfection In Pain". Ist es tatsächlich perfekt?

Wir haben unser Bestes versucht, um das Album so perfekt wie möglich zu machen. Wir wollten den Schmerz und das Negative aus uns heraus lassen und es in der Musik verarbeiten. Es gibt eben sehr viele traurige Dinge im Leben, meiner Meinung nach gibt eigentlich nichts Gutes ohne das irgendetwas Böses damit zu tun hat. Genau diese Dinge wollten wir auf dem Album verarbeiten.

Wieso habt ihr euch bei der Produktion des Albums so einen Stress gemacht, indem ihr in drei verschiedenen Studios aufgenommen bzw. gemixt habt; gab das keinen Ärger mit dem Label?

Nein, die waren sogar froh darüber, dass wir einen talentierten Mixer haben wollten. Wir nahmen hier in Linköping im Helltower Studio die Vokals und den Bass auf, was uns aufgrund diverser Freunde praktisch nichts kostete und konnten so Geld sparen, das wir dann wiederum in Peter Tägtgren investieren konnten.

Nun hat Peter aber vor kurzem gesagt, dass er sich mehr auf seine Bands (Hypocrisy und Pain) konzentrieren will und darum eben keine Mixe und Produktionen mehr machen wolle. Wieso hat er es bei dann doch gemacht?

Ein Freund von uns war früher Sessiongitarrist bei Hypocrisy und kannte Peter von daher. Er hat ihn für uns gefragt und Peter sagte zu, weil ihm die Musik gefiel und er außerdem nur den Endmix machen musste.

Die Titel einiger Songs sind sehr merkwürdig oder zumindest lustig. Was kannst du über die Tracks 'Thursday Night Aggression' und 'The Joy Of Being Addicted' erzählen? Gibt es einen roten Faden, der sich durch das Album zieht?

Also 'Thursday...' handelt davon, dass ich im letzten Jahr zu einer Zeit, als ich nichts zu tun hatte, ständig die schwedische Variante von Big Brother gesehen habe und da war ein Typ dabei, der mich ständig in Rage brachte, weil er so unglaublich dumm war. Er machte sich komplett zum Affen, so dass es eine Schande war ihm zuzusehen. Ich sagte zuerst, wenn der rauskommt bringe ich ihn einfach um, aber dann fragte ich mich, „warum soll ich meine Energie auf solch einen Deppen verwenden“. Ich entschied mich ihn nicht zu töten und stattdessen einen Song über ihn und meine Aggressionen zu schreiben.

'The Joy...' ist nicht ganz ernst gemeint. Ich bin komplett gegen harte Drogen und möchte sie in keiner Weise unterstützen. Der Song handelt ganz einfach davon wie es ist, wenn man am Wochenende mal wieder zu viel getrunken hat und sich schwört nächste Woche trinke ich auf gar keinen Fall. Das Wochenende kommt und man denkt sich, na ja so ein Bier könnte man doch trinken und im Endeffekt ist es genauso wie in der Woche davor. Man scheißt auf die Erfahrungen und macht es noch mal. Also eine eher augenzwinkernde Abhängigkeit. Eine rote Linie ist so direkt nicht vorhanden, außer man sieht meine Gedanken und das was ich anderen Leuten angetan habe und umgekehrt als Faden für die Texte. Übrigens wechseln die Songs des Öfteren zwischen Ernst und Ironie.

Auf der ganzen Platte sind nicht unbedingt sehr viele Solos der Gitarristen zu finden, obwohl man als Thrash / Death Band doch eigentlich diesen Anspruch haben müsste, warum nicht?

Wir sind immer am Song im Ganzen orientiert und wollen keine Langeweile aufkommen lassen. Da wir aber Solos oft auch als Lückenfüller empfinden, haben wir nur ganz wenige eingebaut. Diese wurden auch niemals geprobt, sondern erst im Studio improvisiert eingespielt.

Euer Album dauert 35 Minuten. Meiner Meinung nach ausreichend, da die Musik aggressiv gespielt ist. Was sagt ihr dennoch zu dem Vorwurf, dass dies zu kurz sei?

Also die Songs an sich sollten nicht länger sein, sonst würden ihre Aggressivität und Härte durch langweilige Parts verwässert. Andererseits kann ich es verstehen, wenn Leute fordern, dass wir 2-3 Songs mehr auf dem Album haben sollten. Aber wir hatten nicht mehr Tracks auf Lager und keine Lust irgendwelchen Müll am Ende dran zusetzten, nur um keine Kritik zu bekommen. Ich persönlich ziehe eben auch Alben vor, die mir komplett gefallen und nicht bloß 3-4 Songs.

Ist es als Hommage an Slayer, die ihr in der Bio des Öfteren als Vorbilder zitiert, zu verstehen, dass die Songs 'Thursday Night Aggression' und 'Perfection In Pain' wie die beiden Klassiker auf "Reign In Blood", 'Altar Of Sacrifice' und 'Jesus Saves' ineinander übergehen?

Nun da muss ich die Jungs fragen, ich selbst bin nämlich erstens kein großer Slayer Fan (Bitte? - Verf.) und höre zweitens diesen Vergleich zum ersten Mal. Aber ich schreibe es mir auf und frage die Jungs. Ich selbst habe nur ein Album von Slayer, "Divine Intervention".

Nach diesem Schock - ein Thrash Metal Bandmitglied, das Slayer nicht gern mag - musste ich, bevor im weiteren Verlauf noch mehr Favefragen auftauchten, zunächst noch eine Frage über die Vergleiche mit Haunted stellen...

Ich habe eigentlich keine Angst davor. Jeder der ein Interview mit uns führt, fragt danach, aber wir lassen uns nicht unterkriegen. Wir spielen unsere Musik und fertig. Nach „Subliminal Fear“ wurden wir von allen mit Slayer verglichen, vielleicht haben wir beim dritten Album dann Ruhe.

Habt ihr Nebenprojekte und was ist aus der Band Thornclad geworden?

Mit Thornclad bei denen Viktor (b.) und ich früher spielten haben wir 1999 ein Album namens "Coronation Of The Wicked" raus gebracht. Mittlerweile haben wir uns aber aufgelöst. Wir haben aber eine neue Band am Start, die Demons To Prefer heißt und ähnliche Musik, die nicht ganz so schnell ist, macht. Außerdem spiele ich seit 5 Jahren Bass bei Satanic Slaughter und wir haben vor kurzem ein neues Album veröffentlicht, das auf den Namen "Banished To The Underworld" hört. Ich bin sehr stolz auf dieses Album.

Warum heißt ihr Corporation 187?

187 ist der Polizeicode in den USA für einen Mord (soll dort ja recht häufig vorkommen - Verf.) und unser Drummer kam in den Proberaum mit der Idee Corporation davor zu setzten, in dem Sinne von "We kill the business".

Wie kommt es, dass es im Metal immer oder sehr häufig länderspezifische Stilrichtungen gibt wie z.B. German Thrash?

Puh, ich hab keine Ahnung. Bei uns sagen sie ja es würde am Wetter und dem langen Winter liegen, dass so harte Gitarrenmusik gespielt würde. Allerdings beziehen sie sich dann oft auf Roxette, was natürlich absoluter Schwachsinn ist. Auf uns trifft es vielleicht insofern zu, als wir im Winter oft gelangweilt sind - Wir hassen diesen vielen Schnee - und darum viel Proben, um unsere Aggressionen heraus zu lassen. Außerdem finde ich den Göteborg Sound enorm cool und liebe es mit ihm verglichen zu werden.

Ihr wart mit Lord Belial und Satanic Slaughter auf Tour, wird es nun eine größere und längere Tour geben?

Wir arbeiten daran und es ist geplant im März einen Monat lang auf Tour zu gehen. Berlin, Bischofswerda, Frankfurt (Juhu! - Verf.) und München sind schon mal geplant, aber bestätigt ist leider noch nichts.

Und nun noch zu einem Test der Metal-Allgemeinbildung. Wer sang wo die Textzeile „Baby, I don’t want to live forever!”?

(Zögernd) Queen? Dann: AC/DC?

Nachdem dann die richtige Antwort vorgegeben wurde, kamen dann folgende Sätze...

Irgendwie habe ich Lemmy und Motörhead bis jetzt verpasst, ich weiß, dass mich viele Leute dafür hassen werden, aber die sind irgendwie an mir vorbeigegangen.

Nächste Frage: Wer veröffentlichte den Song 'Troops Of Doom' und wo?

Napalm Death? Nach Hilfestellung mit Max Cavalera: Sepultura! Ich bin eben mehr der Black / Death Metal Fan, höre eben lieber Dissection, Death oder Carcass!

Weitere Testfragen verkniff ich mir dann und überließ dem netten Filip die letzten Worte:

Ich kann nur sagen hört unser Album an, ich bin der tiefen Überzeugung, dass es richtig gut geworden ist. Es klingt in meinen Ohren unheimlich frisch.

PS: Wer weiß denn auf welchem Album 'Troops Of Doom' drauf war, ohne nachzusehen?

Christian Kremp